Kommentare zum Stillen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Raya
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Raya » 12.09.2019, 15:01

Das liest sich jetzt aber arg schwarz-weiß. Ich zum Beispiel gebe meine Kinder in die Krippe/Kindergarten, obwohl ich noch nicht wieder arbeite, möchte gar nicht 24 Stunden am Tag nur mit den Kindern befasst sein.

Dennoch finde ich den Gedanken schlimm, dass ein Kind einfach auf den Hof gestellt wird und sich über Stunden selbst überlassen wird. Und Du wirst Dein Kind doch sicher in eine Einrichtung gegeben haben, wo es mit empathischen Betreuer*innen zu tun hat. Ich glaube weiß Gott nicht, dass nur Mama für das Kind da sein kann - aber was in dem Artikel geschildert wird, klingt wirklich nicht so, als ob die Kinder eine kompetente und fürsorgliche Betreuung hatten. Als ob es gerade nur darum ginge, Außer Haus Betreuung abzuwerten...
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Luna
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Luna » 12.09.2019, 16:06

Wow, super interessante Diskussion, die sich jetzt aus dem Artikel ergeben hat. Vielen Dank auch, für die persönlichen Erfahrungsberichte.
Meine Schwieger-Uroma, die ja mit uns im Haus lebt, fragt mich jedes Mal, wenn ich mit der Kleinen zu ihr komme (sie ist schon etwas dement und erzählt oft in einem Gespräch das gleiche 5x) "stillst du sie?" und wenn ich das bejahe, ist sie total glücklich und sagt "das ist auch das Beste und man sieht, wie gesund und zufrieden sie ist!". =)
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08u11
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von 08u11 » 12.09.2019, 17:50

Raya hat geschrieben:
12.09.2019, 15:01
Dennoch finde ich den Gedanken schlimm, dass ein Kind einfach auf den Hof gestellt wird und sich über Stunden selbst überlassen wird. Und Du wirst Dein Kind doch sicher in eine Einrichtung gegeben haben, wo es mit empathischen Betreuer*innen zu tun hat. Ich glaube weiß Gott nicht, dass nur Mama für das Kind da sein kann - aber was in dem Artikel geschildert wird, klingt wirklich nicht so, als ob die Kinder eine kompetente und fürsorgliche Betreuung hatten. Als ob es gerade nur darum ginge, Außer Haus Betreuung abzuwerten...
Ja, das finde ich auch krass. Gleichzeitig frage ich mich, wie das damals wirklich war - es ist viele, viele Jahre her und wir waren nicht dabei. Beim ersten Drüberlesen fand ich das nämlich gar nicht komisch. Ich habe das selbst ganz genauso gemacht: Bei Kind 1+2 habe ich während der Babyzeit weiter an meiner Diss gearbeitet und ja: am besten während das Kind im KiWa auf der Terrasse geschlafen hat. Inzwischen ist das 8 bzw. gut 10 Jahre her und ich bin der festen Überzeugung, dass ich damals 3h am Stück ohne Probleme arbeiten konnte :D :shock: :D . Und nein, das Baby hat dabei nicht geweint. War sicher auch manchmal so, vielleicht sogar oft. Und die Male, die ich schon nach einer halben Stunde wieder alles hinwerfen musste oder mit Baby auf dem Rücken oder an der Brust auf dem Sitzball saß und mich trotzdem nur schlecht konzentrieren konnte, habe ich jetzt schon so gut wie vergessen. Wer weiß, bis in 45 Jahren werde ich vielleicht auch erzählen, ich sei ohne Probleme sobald ich mich von der Geburt herholt hatte bis zum 1. Geburtstag 8h/Tag am Computer gesessen und das Baby habe nicht drunter gelitten :shock: :evil: :shock: In Wahrheit waren es wohl an guten Tagen 3h/Tag und das ist ja auch schon viel. Okay, die Babys der Ärztin sind vermutlich nicht beim allerersten Quengeln herausgenommen worden, wahrscheinlich haben sie auch wirklich zu lange geschrieen. Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand tatsächlich 8h/Tag ein Baby im Hof brüllen lässt.

Andersherum: meine Mama war vor kurzem völlig entsetzt, dass ich ganz alleine mit den beiden Kleinen 120km zum nächsten Märchenpark fahre, während mein Mann doch tatsächlich arbeitet :shock: .Ihn als Rabenvater zu bezeichnen hat sie sich grade noch so verkniffen. Ich hingegen finde es ganz normal, dass ich sowas auch allein kann und war froh, dass mein Mann diese Zeit zum Arbeiten nutzen konnte und dafür wann anders wieder Zeit für die Familie hat.

Stand in dem Artikel überhaupt etwas über Frauen die 3 oder mehr Jahre zu Hause bleiben und sich damit wohlfühlen? Ich hatte ihn so gelesen, dass diese Frauen dort einfach gar nicht Thema waren. Bei den 'Müttern, die sich zu viele Gedanken machen', dachte ich eher an die, die eigentlich arbeiten wollen, aber sich nicht trauen, aus Sorge, dass für das Kind nicht gut gesorgt ist oder an die, die zwar Arbeiten gehen, sich aber ständig selbstzerfleischen.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)

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Raya
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Raya » 12.09.2019, 19:50

Oh doch, es haben damals Leute ihre Kinder acht oder zehn Stunden raus gestellt und alle vier Stunden füttern lassen, bei einem Freund von mir (Jahrgang 1965) war das so. Die Mutter war Vollzeit arbeiten und die Nachbarin kam alle vier Stunden vorbei und hat ihm eine Flasche gegeben. Was dazwischen war, hat keinen interessiert.

Das ist doch etwas anders als wenn das schlafende Kind in Hörweite auf dem Balkon schläft und man währenddessend was für die Diss macht.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von LittlePolarbear » 12.09.2019, 19:52

nido56 hat geschrieben:
12.09.2019, 14:50
Ich finde es krass, dass ihr aus dem Text rauszieht, dass die Frau sich nicht für ihre Kinder interessiert hat, weil sie so ganz anders gelebt hat, als ihr es tut. Vielleicht wollte sie bewusst viele Kinder, weil sie Kinder sehr wohl toll fand, allerdings eben davon überzeugt war, dass es OK ist, mit den Kinder nur zu bestimmten Zeiten zu interagieren und sie den Rest des Tages sich selbst zu überlassen.

Das triggert mich gerade ein bisschen, weil ich in Deutschland auch schon gehört habe, warum ich denn ein Kind habe, wenn ich es dann von Geburt an abschiebe. Ich wollte wirklich gerne Kinder. Ich liebe meinen Sohn wahrhaftig und habe mich auch immer gerne mit ihm beschäftigt.

Wenn man selbst sein Kind 24/7 um sich haben möchte, weil man der Meinung ist, nur so kann ein Kind gut gedeihen, dann schockiert es natürlich erstmal, wenn eine andere Frau maximal 15 Stunden am Tag bei ihrem Kind ist. Es gibt dann aber 2 Interprätationen:

1. Die Frau weiß im Grunde, dass das 24/7 Modell das einzig wahre ist, aber es interessiert sie nicht besonders, weil ihr das Wohl des Kindes egal und die Arbeit wichtiger ist.

2. Die Frau ist einfach nicht davon überzeugt, dass ein Kind nur dann gut und glücklich heranwachsen kann, wenn es den ganzen Tag von seiner Mutter betreut wird. Sie will gerne arbeite und denkt, dass sie eine Lösung gefunden hat, die für alle OK ist.

Ich vermute, in den meisten Fällen trifft Version 2 zu. So wahrscheinlich auch bei dieser Frau. Ob sie recht hatte, dazu müsste man ihre Kinder befragen.

Ich finde es erstmal auch heftig, dass sie die Kinder 3 Monate lang nur durch eine Glasscheibe sehen durfte. Ich kann mir schwer vorstellen, wie man sich auf sowas einlassen kann. Aber andere Frauen können sich auch nicht vorstellen, wie man ohne absolute Not sein 6 Monate altes Baby ganztags in die Krippe geben kann, ohne sich dabei ganz schrecklich zu fühlen. Bin ich jetzt ein schrecklicher Mensch, der sein Kind nicht liebt, oder habe ich nur ein anderes Weltbild?

Mich hat eher die Herabwürdigung der Mütter, die es heute anders machen, gestört. Ist doch toll, wenn jemand als Hausfrau mit kleinem Zuverdienst glücklich ist und sich mit voller Energie seinen Kinder widmet. Ich bin sicher, die Kinder werden geliebt und haben es gut. Ich glaube aber, das trifft auf meinen Sohn auch zu.
Das ist aber doch ein Unterschied, ob man sein Kind mehrere Monate nur durch eine Glasscheibe sieht (und dieses das noch nicht mal weiß) oder ob man eine Eingewöhnung macht, es Bezugserzieher gibt und dein Kind jeden Abend wieder bei dir ist.
Ich denke es gibt total verschiedene Wege und für jeden kann ja ein anderer Weg richtig sein.
Mir ist es ganz wichtig Nestwärme mitzugeben, auch das geht auf unterschiedlichen Wegen. Aber in dem Interview kam es nicht so rüber, als wenn das dort nur ansatzweise geschehen wäre oder überhaupt notwendig sei....
08u11 hat geschrieben:
12.09.2019, 10:54
Hm - ich verstehe absolut, was ihr meint und stimme dem auch zu.
Gleichzeitig möchte ich hier mal ein bisschen den Advocatus Diaboli :evil: spielen:
Fühlt Ihr Euch von dieser Frau als Mutter echt angegriffen? Ehrlich gesagt: ich ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil: ich bin einfach froh und dankbar, dass ich heute ganz andere Möglichkeiten habe als die Dame damals. Leider ist es doch schon so, dass wir uns oft über solche Kleinigkeiten Gedanken und auch Vorwürfe machen, statt einfach nur froh zu sein: ich kann selbst entscheiden, wann und wieviel ich wieder arbeite, wann, wie, wo und wie lange ich mein Kind betreuen lassen will, ob und wie lange ich stille, .... - zumindest im Prinzip.
Natürlich ist es absurd, dass Väter bei der Geburt nicht dabei sein duften und es ist gut, dass das inzwischen ganz normal ist :D . Bei unserem Babyzwerg war niemand dabei :( :( :( Der wurde dem Papa ca. 40 Minuten später als er endlich im Kreißsaal ankam in die Arme gedrückt, ich war da noch in Narkose. Ich will jetzt nicht sagen: das ist die Art von Geburt, die ich jedem empfehle :evil: :shock: :evil: , sicher nicht. Aber so etwas kommt eben vor und sich dann noch viele Gedanken zu machen, weil der Zwerg jetzt nicht den optimalen Lebensstart hatte. Der Papa und vor allem ich sind traumatisiert - aber dem Kleinen geht's gut damit. Ich kann nicht feststellen, dass dem irgend etwas fehlt :D
Meine Mutter gerät sofort in die Verteidigungshaltung, wenn vom Stillen die Rede ist. Dabei will ihr gar niemand Vorwürfe machen, dass sie damals nicht gestillt hat. Trotzdem würde ich ihr gerne erklären, dass jedenfalls heute, Gott sei Dank, auch anders geht. Letztlich versteht sie es nicht so ganz und will dass vielleicht auch gar nicht. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sie mir das Stillen ausreden will, sondern nur, dass sie klarmachen will, dass sie damals aus gutem Grund früh abgestillt hat. Klar ist es schade, dass wir da nicht sachlich drüber reden können, aber schlimm ist es auch nicht (zumindest nicht, so lange meine Mama nicht Stillberaterin wird :D :twisted: :D )
Angegriffen fühle ich mich nicht. Aber ich finde es schade, dass das alles so unkommentiert stehen gelassen wird. Damals wusste man es nicht besser und die interviewte Dame äußert sich völlig unkritisch zu ihrer Erziehung. Dabei weiß man heute, was es mit einem Kind macht, das schreien gelassen wird usw. Trotzdem verkaufen sich Bücher zum Thema Schlaftraining extrem gut. Viele hören dann vielleicht auch doch auf ähnliche Ratschläge aus ihrer Familie. Wenn dann auch in der Zeitung noch so etwas steht, bestärkt es doch die Bedürfnisse der Kinder zu ignorieren...
mit kleinem Bären (09/18)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Individuum » 12.09.2019, 20:23

Genau so sehe ich das auch. Es fehlt eine Einordnung, eine Reflexion oder ein Kommentar.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von officinale » 12.09.2019, 21:31

Raya hat geschrieben:
12.09.2019, 19:50


Das ist doch etwas anders als wenn das schlafende Kind in Hörweite auf dem Balkon schläft und man währenddessend was für die Diss macht.
Seh ich ganz genau so, das sind doch ganz unterschiedliche Szenarien!
...mit Maimädchen 2019

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Rumpelpumpel » 13.09.2019, 15:09

Ich komm mal zurück zu den Kommentaren :D

Den Thread finde ich großartig und lese ihn seit etwa einem Jahr. Bis Seite 1730 bin ich gekommen. Des Rest mach ich dann später noch ;)

Ich bekomme eigentlich hauptsächlich vob meiner Mama Kommentare übers Stillen. Nicht direkt abwertend, aber doch in die Richtung gehend und etwas nervig.
Am Anfang hat sie daraug bestanden mit Milchpulver und Fläschchen in den Küchenschrank zu stellen ("nur für den Fall"). Dann wurde sie nicht müde zu betonen, dass ja alles einfacher wird, sobald V "endlich was isst", dann braucht er mich nämlich nicht mehr so und ich kann dann auch mal weggehen und sie kann aufpassen.
Da sie 300km weg wohnt, konnte ich da gut drüber weghören.

Auf einer Hochzeit wurde ich letztens von einer Fremden gefragt, wie lange ich denn noch stillen müsse. Mein "man muss gar nicht stillen, ich möchte es halt" fand sie verwirrend.
Wir kamen auch nur auf das Thema, weil wir mit Freunden am gleichen Tisch saßen und gerade der Wein eingeschenkt wurde - ich bin aber aich gefahren, hätte also eh nichz viel trinken können.

Und letztens mein Mann.
Wir saßen am Frühstückstisch und haben uns darüber unterhalten wann V Wasser aus einer Trinklernflasche und dem MagicCup trinkt und mir der MagicCup besser gefällt, denn ich fände es unnötig, dass er aus einer Flasche trinken lernt.
Und da meinte er, dass "wir" ja wohl in ein paar Monaten spätestens auf Milchflaschen wechseln, denn "solche, die ihre Kinder mit 3 noch stillen, werden wir nicht."

Aha.
Ich habe eigentlich nicht vor in nächster Zeit abzustillen. Ob ich noch Lust habe, wenn V 3 ist werden wir sehen. Aber das "wir" fand ich dann doch anmaßend. Ich stille. Nicht "wir" mein lieber Mann!
Und mit wem ich was mit meinem Körper teile, ist nur meine Sache.
Grüße von Rumpelpumpel mit dem kleinen V (11/18)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Leominor » 13.09.2019, 16:17

Oh je, Dir mal viel Kraft für die Diskussionen mit deinem Mann. Das klingt anstrengend...

Wobei ich es lustig finde, dass er davon spricht in ein paar Monaten auf Milchflasche zu wechseln. Da ist euer Kind ja auch schon Ü1. Er geht also sicher davon aus, dass ein Kind in dem Alter noch Fläschchen braucht, Stillen in dem Alter ist aber merkwürdig... Aha?!
Leominor mit dem kleinen Tigermädchen (12/17) und Babytiger im Bauch (2/20)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von LilyGreen » 13.09.2019, 16:21

Hui. Wir sind solche (ihgitt!) und ich fürchte, aktuell sind Mann und Kind gleichermaßen von der fortwährenden Wichtigkeit des Stillens überzeugt :lol:
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