Kommentare zum Stillen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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ShinyCheetah
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von ShinyCheetah » 11.09.2019, 20:01

Vielen Dank für alles, was ihr hier so erzählt! Ich bin so froh, heute zu leben und eine Familie (und Schwiegerfamilie) zu haben, in der auch schon vor 30 Jahren bedürfnisorientiert mit den Kindern umgegangen wurde...
mit Sohn F (Ende September 18)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von LittlePolarbear » 11.09.2019, 20:19

Ich danke euch auch für eure persönlichen Geschichten, auch wenn ich beim Lesen teilweise ganz schön schlucken musste... Gleichzeitig bewundere ich alle Eltern, die es schaffen das so zu reflektieren und bei ihren eigenen Kindern anders zu machen. Ich finde das ist eine der größten Herausforderungen von Elternschaft.

Ich glaube mein Vater wurde in seiner Kindheit auch extrem traumatisiert. Meine Mutter hatte wohl das Glück, dass sie während meine Oma arbeiten musste, zu einer armen Frau im Dorf gegeben wurde, die sich so etwas dazu verdient hat. Diese Frau und ihre Familie beschreibt meine Mutter als sehr warmherzig. Die haben sie wohl auch viel getragen. Wie das mit Stillen war weiß ich gar nicht, aber meine Mutter war zumindest eine Hausgeburt. Da konnte keine KH Routine dazwischen gehen und aus Platzgründen hat sie bis sie 5 war im Elternbett mitgeschlafen.
Meine Geschwister und ich wurden alle ein Jahr lang gestillt und auch sehr viel getragen (besonders von meinem Vater). Wir haben im ersten Lebensjahr auch in einem Gitterbett neben dem Elternbett geschlafen.
Vieles musste ich mir da nicht hart erarbeiten. Aber natürlich war nicht nur alles toll und auch ich möchte einiges anders machen. Jede Generation lernt hoffentlich dazu 💕
mit kleinem Bären (09/18)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Februarmama » 11.09.2019, 20:22

Was für eine spannende und gleichzeitig erschreckende Diskussion! Als es um die Geburt meiner Tochter ging, bei der der Papa dabei war, hat meine Oma (die ihrer Kinder Anfang der Sechziger bekommen hat) ein bisschen vorwurfsvoll gesagt, dass mein Opa während der Geburten zuhause gewartet hat- von ihm kam sofort ein ungewohnt emotionales „ich wäre gerne dabei gewesen, aber die hätten mich damals als pervers bezeichnet und aus dem Krankenhaus gejagt“

Meine Tante die meine Cousine Anfang der Neunziger bekommen hat, wird beim Thema länger Stillen und Familienbett immer ganz wehmütig und wünscht sich, sie hätte sich damals nicht so viel reinreden lassen.
(Wobei das ja leider heute immer noch teilweise so ist, ich hoffe nur, dass wir Frauen inzwischen selbstbewusster sind)

Meine Oma „musste“ übrigens Stillen, weil die Familie so wenig Geld hatte und die moderne tolle Pulvermilch verhältnismäßig teuer war- ist aber inzwischen ziemlich stolz auf sich. Sie hat im Krankenhaus auch Muttermilch „gespendet“- ihr wurden fremde Babys zum stillen vorbeigebracht bei deren Müttern der Milcheinschuss noch auf sich warten lies...
💕Murmelchen 2/18

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Maikäferchen19 » 12.09.2019, 00:04

Das ist wahrscheinlich für euch nichts Neues aber ich bin echt erstaunt, wie viele Leute in meinem Umfeld überrascht sind, dass ein 3 oder 4 Monate altes Baby noch voll gestillt werden kann. Die Standardunterhaltung ist immer ähnlich:
- Wie sind die Nächte?
- Ganz gut, kann mich nicht beklagen.
- Ja schläft er denn schon durch?
- Naja, er trinkt schon noch ein paar mal zwischendurch, aber das stört mich nicht, er schläft bei uns im Bett und wir schlafen dann beide sofort wieder ein.
- Ah, dann bekommt er ein Fläschchen?
- Hä? Nein, ich stille ihn.
- Und das reicht? Gibst du ihm gar kein Fläschchen?
(Glücklicherweise sieht man deutlich, dass das reicht. Das nächste Thema ist dann natürlich das Familienbett. )

In meiner Familie war das Stillen ganz normal, ich habe das daher selbst nie hinterfragt. Meine Mutter hatte keine Familie um sie herum, die ihr rein geredet hat. Vielleicht war es dadurch leichter, dass sie recht schnell auf ihr Bauchgefühl hören konnte und sich u.a. über die 4-Stunden-Regel hinweg gesetzt hat. Auch alleine schreien lassen war für sie keine Option, obwohl meine jüngere Schwester das erste halbe Jahr extrem viel geschrien hat.

Aber meine Schwiegeroma z.B. meinte, sie hätte früher die Flasche gegeben, das wäre ja viel weniger Aufwand gewesen weil es schneller ging und länger satt machte. Seit unser Kleiner 4 Wochen alt ist, ist sie jedes Mal total überrascht, dass ich anscheinend immer noch genug Milch habe. Ein bisschen Wehmut habe ich aber schon auch herausgehört. Sie beneidet die Frauen von heute, dass die meisten so viel Zeit haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Das war früher nicht möglich, weil sie auf einem Hof gelebt hat und schnell wieder arbeiten musste. Einfach mal ein Jahr "nur" für die Kinder da sein - unvorstellbar! Da mussten die Babies auch viel alleine im Kinderwagen liegen, irgendwann schlafen sie schon ein...
Obwohl oder gerade weil ich meine Schwiegerfamilie sehr schätze, war war ich total perplex als sie meinten, dass wir es auch einfach mal lernen müssen auszuhalten, dass der Kleine schreit. Sie würde es nicht stören und es könnte ja nicht immer alles nach seinem Willen laufen. Dabei hört er fast immer sofort auf, wenn man ihn auf den Arm nimmt und etwas rum läuft. Das ist so viel einfacher als schreien lassen.

... und zum Thema Männer bei der Geburt. Mein Vater musste auch noch draußen vor der Tür warten und es war furchtbar für ihn, meine Mutter zu hören und nichts tun zu können. Und auf einmal hat er nichts mehr gehört, weil sie eine Narkose bekommen hat. Leider hat niemand dran gedacht, ihm Bescheid zu sagen... Schlimm!

Ich bin auch sehr froh, in der heutigen Zeit zu leben! Sehr spannend, was sich in einer Generation gesellschaftlich geändert hat. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, wie es vor 2 Generationen war, Kinder zu bekommen und groß zu ziehen.
... glücklich mit unserem Maikäferchen (05/19)

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IdieNubren
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von IdieNubren » 12.09.2019, 00:56

Mein Opa erzählte auch immer sehr empört davon wie er bei Kind 3 nicht mit ins Krankenhaus durfte. Kind 1&2 ein paar Jahre eher kamen nämlich zuhause zur Welt (da gab es den Luxus einer kkh Geburt/Betreuung noch nicht) und da war er neben Hebamme einfach ein helfendes und nötiges paar Hände
Idie mit der Großen (06/16) und der Kleinen (04/18)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von 08u11 » 12.09.2019, 10:54

Hm - ich verstehe absolut, was ihr meint und stimme dem auch zu.
Gleichzeitig möchte ich hier mal ein bisschen den Advocatus Diaboli :evil: spielen:
Fühlt Ihr Euch von dieser Frau als Mutter echt angegriffen? Ehrlich gesagt: ich ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil: ich bin einfach froh und dankbar, dass ich heute ganz andere Möglichkeiten habe als die Dame damals. Leider ist es doch schon so, dass wir uns oft über solche Kleinigkeiten Gedanken und auch Vorwürfe machen, statt einfach nur froh zu sein: ich kann selbst entscheiden, wann und wieviel ich wieder arbeite, wann, wie, wo und wie lange ich mein Kind betreuen lassen will, ob und wie lange ich stille, .... - zumindest im Prinzip.
Natürlich ist es absurd, dass Väter bei der Geburt nicht dabei sein duften und es ist gut, dass das inzwischen ganz normal ist :D . Bei unserem Babyzwerg war niemand dabei :( :( :( Der wurde dem Papa ca. 40 Minuten später als er endlich im Kreißsaal ankam in die Arme gedrückt, ich war da noch in Narkose. Ich will jetzt nicht sagen: das ist die Art von Geburt, die ich jedem empfehle :evil: :shock: :evil: , sicher nicht. Aber so etwas kommt eben vor und sich dann noch viele Gedanken zu machen, weil der Zwerg jetzt nicht den optimalen Lebensstart hatte. Der Papa und vor allem ich sind traumatisiert - aber dem Kleinen geht's gut damit. Ich kann nicht feststellen, dass dem irgend etwas fehlt :D
Meine Mutter gerät sofort in die Verteidigungshaltung, wenn vom Stillen die Rede ist. Dabei will ihr gar niemand Vorwürfe machen, dass sie damals nicht gestillt hat. Trotzdem würde ich ihr gerne erklären, dass jedenfalls heute, Gott sei Dank, auch anders geht. Letztlich versteht sie es nicht so ganz und will dass vielleicht auch gar nicht. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sie mir das Stillen ausreden will, sondern nur, dass sie klarmachen will, dass sie damals aus gutem Grund früh abgestillt hat. Klar ist es schade, dass wir da nicht sachlich drüber reden können, aber schlimm ist es auch nicht (zumindest nicht, so lange meine Mama nicht Stillberaterin wird :D :twisted: :D )
Serafin hat geschrieben:
11.09.2019, 17:19
Und die Kinder sind ja erst Mal Schlag auf Schlag gekommen. Dann Pause und der Nachzügler. Die mussten also schon wissen, wie man verhüten kann, sonst wäre es ja so weiter gegangen. Da hätte man das ja auch langsamer angehen können.
Das habe ich mich auch gefragt. 5 Kinder scheint mir auch für die 50er und 60er Jahre doch schon eine Hausnummer. Meine Omas sind ähnlich alt und die haben nur 1 bzw. 3 Kinder und die 3 mit großem Abstand zwischen den Geburten. Das ging also damals schon. Daher habe ich schon den Verdacht, dass diese Kinder (mindestens teilweise) geplant und gewollt waren. Warum frau das macht, wenn sie doch eigentlich lieber arbeiten möchte? Gute Frage :D :D :D Eine wirklich logische Begründung weiß ich nicht dafür. Wir haben aber inzwischen ja auch immerhin 4 Kinder und das obwohl ich alles andere als die geborene Hausfrau bin und den Tag herbeisehne, an dem ich wieder zum Arbeiten gehe :shock: . Trotzdem liebe ich die Kinder und bin froh und dankbar für jedes von ihnen.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von officinale » 12.09.2019, 11:03

Ich weiß nicht, ob es wirklich darum geht, sich angegriffen zu fühlen. Ich bin jedenfalls nur schockiert, wie es damals so war und könnte es mir für mich persönlich einfach überhaupt nicht vorstellen. Es würde mir das Herz brechen.
...mit Maimädchen 2019

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Ellies » 12.09.2019, 12:03

Vielleicht war die Frau einfach gläubig. Um diese Zeit war ja jedes Kind ein Geschenk Gottes, das man dankend angenommen hat. Meine Oma im gleichen Alter (gut, auf dem Land) und ihre Schwester haben je 8 Kinder (bei ihrer Schwester auch mit Nachzügler), ihre 2 Brüder je 4. Meine Oma in der Stadt hatte nur 3.
Ich fühle mich auch nicht unbedingt angegriffen von der Frau. Denke eher krass, was manche Leute einfach aushalten können. Ich wäre bestimmt zu Grunde gegangen hätte ich so leben müssen. Und ich überlege wirklich, ob ich zu früheren Zeiten auch für die Bedürfnisse von meinem Kind und mir hätte einstehen können. Aber ich weiß es nicht.
Ellie mit dem kleinen Muulwürfle (04/2018) :)

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von thuri » 12.09.2019, 12:15

Wenn man von allen Seiten, wirklich von allen täglich hört, dass es das beste für die Kinder ist, dann macht man das.
Wir nehmen ja auch die Tränen beim impfen in Kauf, oder für uns selbst die schlaflosen Nächte.
Wir akzeptieren, dass ein begleiteter wutanfall eine halbe Stunde oder länger dauern kann, obwohl doch das dritte Eis in Sekunden geholfen hätte. Oder eine klare Ansage mit Strafandrohung in wenigen Minuten.
Die Mütter in vergangenen Zeiten waren in der Regel genauso überzeugt, das beste für ihr Kind zu tun, wie wir heute. Und haben es deswegen durchgezogen, egal wie sehr sie sich selbst damit wehgetan haben. Und je nachdem in welcher Zeit die Kinder groß geworden sind, war es ja auch wirklich das beste. Nicht immer hatten es selbst denkende mündige Personen im Leben einfach.
Hier mit Eule (2/14) und Lerche (9/18)

nido56
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von nido56 » 12.09.2019, 14:50

Ich finde es krass, dass ihr aus dem Text rauszieht, dass die Frau sich nicht für ihre Kinder interessiert hat, weil sie so ganz anders gelebt hat, als ihr es tut. Vielleicht wollte sie bewusst viele Kinder, weil sie Kinder sehr wohl toll fand, allerdings eben davon überzeugt war, dass es OK ist, mit den Kinder nur zu bestimmten Zeiten zu interagieren und sie den Rest des Tages sich selbst zu überlassen.

Das triggert mich gerade ein bisschen, weil ich in Deutschland auch schon gehört habe, warum ich denn ein Kind habe, wenn ich es dann von Geburt an abschiebe. Ich wollte wirklich gerne Kinder. Ich liebe meinen Sohn wahrhaftig und habe mich auch immer gerne mit ihm beschäftigt.

Wenn man selbst sein Kind 24/7 um sich haben möchte, weil man der Meinung ist, nur so kann ein Kind gut gedeihen, dann schockiert es natürlich erstmal, wenn eine andere Frau maximal 15 Stunden am Tag bei ihrem Kind ist. Es gibt dann aber 2 Interprätationen:

1. Die Frau weiß im Grunde, dass das 24/7 Modell das einzig wahre ist, aber es interessiert sie nicht besonders, weil ihr das Wohl des Kindes egal und die Arbeit wichtiger ist.

2. Die Frau ist einfach nicht davon überzeugt, dass ein Kind nur dann gut und glücklich heranwachsen kann, wenn es den ganzen Tag von seiner Mutter betreut wird. Sie will gerne arbeite und denkt, dass sie eine Lösung gefunden hat, die für alle OK ist.

Ich vermute, in den meisten Fällen trifft Version 2 zu. So wahrscheinlich auch bei dieser Frau. Ob sie recht hatte, dazu müsste man ihre Kinder befragen.

Ich finde es erstmal auch heftig, dass sie die Kinder 3 Monate lang nur durch eine Glasscheibe sehen durfte. Ich kann mir schwer vorstellen, wie man sich auf sowas einlassen kann. Aber andere Frauen können sich auch nicht vorstellen, wie man ohne absolute Not sein 6 Monate altes Baby ganztags in die Krippe geben kann, ohne sich dabei ganz schrecklich zu fühlen. Bin ich jetzt ein schrecklicher Mensch, der sein Kind nicht liebt, oder habe ich nur ein anderes Weltbild?

Mich hat eher die Herabwürdigung der Mütter, die es heute anders machen, gestört. Ist doch toll, wenn jemand als Hausfrau mit kleinem Zuverdienst glücklich ist und sich mit voller Energie seinen Kinder widmet. Ich bin sicher, die Kinder werden geliebt und haben es gut. Ich glaube aber, das trifft auf meinen Sohn auch zu.
nido mit dem kleinen Piraten (01/2012)

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