Kommentare zum Stillen...

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pqr
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von pqr » 11.09.2019, 12:08

Das finde ich ehrlich gesagt schlimmer als die anderen Dinge, die da so Richtung Haarersche Kinderpflege gehen.
Viele Grüße
pqr

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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von LittlePolarbear » 11.09.2019, 13:49

Reh hat geschrieben:
10.09.2019, 22:43
thuri hat geschrieben:
10.09.2019, 21:21
Im Grunde ist diese Ärztin eine pionierin in Sachen Gleichberechtigung.
Dass sie nun heutige Mutter so runterputzt (ein besseres Wort finde ich nicht)
Macht ihre Sicht irgendwie sogar zum Vorwurf.
Als wolle sie sagen, stellt euch nicht so an. Mit euren ewigen sorgen um das Wohl eurer Kinder werden die Männer euch nie als gleich ansehen.

Oder eben genau umgekehrt könnte man lesen, Erfolg von Frauen muss auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Dabei wurde ein bisschen Reflexion zeigen, wie gut es ist, dass heute eben doch beides möglich ist. Oder wie wichtig es ist, dass die Kombination eben einfacher möglich sein muss, als sie es erlebt hat.
Sehr gut zusammengefasst, finde ich !

Und ((((Mäuserich))))

OT: was ist Fenkid?
Fenkid steht für "Frühe Entwicklung von Kindern begleiten".
Ähnlich wie Pekip, wobei die Kinder meist einfach in der Mitte mit unterschiedlichen Sachen spielen dürfen und sich begegnen. Es werden vielleicht so 1-2 Lieder gesungen, die Eltern machen eine Achtsamkeitsübung und tauschen sich über verschiedene Themen aus (Fremdbetreuung, Ernährung, Schlafen usw). Es geht dabei um Achtsamkeit mit sich und dem Kind. Die Kinder werden nicht "gefördert" sondern viel mehr begleitet, jedes im eigenen Tempo.
mit kleinem Bären (09/18)

LittlePolarbear
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von LittlePolarbear » 11.09.2019, 14:02

ShinyCheetah hat geschrieben:
11.09.2019, 07:28
Ein gutes Interview, finde ich. Das war die Kriegs-/Nachkriegsgeneration - anders als heute ging es einfach ums Überleben. Wie die Dame mit ihren Kindern umgegangen ist, als sie keine Babys mehr waren, kommt aus dem Artikel nicht wirklich hervor. Gut möglich, dass sie eine liebevolle Mutter war. "Unreflektiert" finde ich schon ein hartes Urteil. Ich tue mir sehr schwer damit, ihr etwas vorzuwerfen. Sie hat schon an sehr vielen Fronten gekämpft. Dass sie nicht auch noch darauf bestanden hat, ihre Kinder anders zu erziehen als üblich und empfohlen, finde ich nicht verwerflich.

Was sie erzählt, passt gut zu dem, was meine Oma so erzählt, nur mit viel mehr Gleichberechtigung. Meine Oma musste bspw auch quasi ab Geburt das Baby im Kinderwagen im Hof liegen lassen und kam alle 4h zum Stillen. Sie bekam dann schnell eine Mastitis, war sehr sehr krank, musste abstillen und war davon so traumatisiert, dass sie ihre anderen drei Kinder von vornherein gar nicht mehr gestillt hat... Nur dass ihr Töchter von vorneherein als überflüssig betrachtet wurden und sie keinerlei Mitspracherecht hatte, was ihr Leben anging. Sie war beim ersten Kind auch erst 16 und nicht Ende 20, wie die Ärztin.
Natürlich waren das andere Zeiten und die Dame ist während des 2. Weltkrieges aufgewachsen.
Es geht doch auch nicht darum ihr einen Vorwurf zu machen oder sie zu verurteilen. Klar, damals war das alles so üblich. Trotzdem kann man ja rückblickend sagen, dass das so blöd war und dabei ganz schön viel auf der Strecke geblieben ist. Man kann die Umstände bedauern usw. In dem Interview kommt das so aber nicht rüber. Eher "damals ging es doch auch so, heutzutage machen sich die Mütter viel zu viele Gedanken". Klingt für mich so, als wenn sie das verteidigen will und gleichzeitig die Mütter heute abwertet.
mit kleinem Bären (09/18)

nido56
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von nido56 » 11.09.2019, 14:24

Meine Mutter ist aus derselben Generation. Nach der vollkommen problemlosen Geburt war sie 14 Tage im Krankenhaus, strack liegen. Mich durfte sie alle 4h für exakt 30 min zum Stillen haben. Natürlich mit Still Probe. Überrascht es jemanden, dass das Stillen nicht richtig geklappt hat?

Ich kam also schon fertig geferbert nach Hause. Da durfte sie mich natürlich dann auch nicht auf den Arm nehmen, wenn ich weinte. Hat sie in der Mütterberatun so gesagt bekommen. Sie hat das dann heimlich trotzdem gemacht, aber mit ganz schlechtem Gewissen

Als ich 3 Monate alt war, haben die Großeltern beschlossen, dass sie das Baby jetzt lange genug verhätschelt hat, und sie übers Wochenende mit meinem Vater in Urlaub geschickt, damit sie sich mal wieder ihrem Mann widmet. Dafür musste sie natürlich ganz Abstillen. Sie hat die ganze Fahrt hindurch geheult und ist dort im feinen Restaurant umgekippt, weiß nicht ob psychisch oder weil das körperlich zu viel war.

Meine Mutter ist einfach so erzogen worden, dass man Autoritäten nicht widerspricht und eigene Gefühle unterdrückt. Eine Mischung aus Nazi-Erziehung und Notwendigkeit im Krieg. Da mussten die Kinder einfach funktionieren.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Individuum » 11.09.2019, 14:50

Ich bin gerade total beeindruckt, wie viel hier alle aus ihren eigenen Familien einbringen und finde das ganz toll, auch wenn es sehr traurig ist.

Bei meiner Mutter ist es so, dass sie sich über solche Dinge ausschweigt oder widerspricht oder sogar lügt. Ich weiß, dass sie damals regelmäßig bei der Mütterberatung war. Ich weiß, dass sie damals gerade mal 19 war. Ich weiß, dass meine Oma ihr ZB geraten hat, mich raus in den Hof zu stellen und nicht hinzugehen, wenn ich weine. Was sie auch tat. Zudem erzählte sie mir im Zuge meines eigenen Kampfes um das Stillen, dass sie mich 1 Jahr gestillt habe. Einige Monate später fand ich einen Kalender mit den Meilensteinen im 1. Lj. Dort stand, sie habe mich 6 Wochen gestillt.. Dann hört mein Wissen mehr oder weniger auch auf. Meine Mutter scheint also 1987 noch vieles von dem umgesetzt zu haben, was damals als "notwendig" galt. Meine Schwiegermutter hingegen überhaupt nicht, die stillte meinen Mann über 2 Jahre (1985 geboren, ebenfalls DDR) und entschuldige sich vor einiger Zeit unter Tränen bei ihm, dass sie ihn als Baby während einer Silvesternacht mehrere Stunden allein gelassen habe, weil sie alleine mit ihm war und er sonst immer so gut geschlafen habe. Im Nachhinein erzählte ihr ihre Nachbarin, dass er sehr lange geweint und geschrien habe. Dies trug sie 33 Jahre mit sich herum...

Ich sehe durchaus die Möglichkeit in sich hineinzufühlen ob das so für Kinder alles richtig ist, ohne dabei über das Ziel hinaus zu schießen. Ich verstehe, wie anstrengend es als Mutter, vor allem allein, sein kann. Jetzt, da ich selbst eine bin. Aber was ich nicht verstehe, ist, dass man dies dann im Nachgang nicht reflektiert. Wenn ich daran denke, wie ich als hilfloser Säugling im Hof lag und weinte, während sich niemand um mich kümmerte, da werde ich traurig mit mir. Und ich denke, niemand sollte den Kontakt zu seinen Gefühlen so sehr verlieren müssen, dass er dies nicht mehr spüren kann.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Mäuserich » 11.09.2019, 15:24

Individuum hat geschrieben:
11.09.2019, 14:50
Ich bin gerade total beeindruckt, wie viel hier alle aus ihren eigenen Familien einbringen und finde das ganz toll, auch wenn es sehr traurig ist.

Bei meiner Mutter ist es so, dass sie sich über solche Dinge ausschweigt oder widerspricht oder sogar lügt. Ich weiß, dass sie damals regelmäßig bei der Mütterberatung war. Ich weiß, dass sie damals gerade mal 19 war. Ich weiß, dass meine Oma ihr ZB geraten hat, mich raus in den Hof zu stellen und nicht hinzugehen, wenn ich weine. Was sie auch tat. Zudem erzählte sie mir im Zuge meines eigenen Kampfes um das Stillen, dass sie mich 1 Jahr gestillt habe. Einige Monate später fand ich einen Kalender mit den Meilensteinen im 1. Lj. Dort stand, sie habe mich 6 Wochen gestillt.. Dann hört mein Wissen mehr oder weniger auch auf. Meine Mutter scheint also 1987 noch vieles von dem umgesetzt zu haben, was damals als "notwendig" galt. Meine Schwiegermutter hingegen überhaupt nicht, die stillte meinen Mann über 2 Jahre (1985 geboren, ebenfalls DDR) und entschuldige sich vor einiger Zeit unter Tränen bei ihm, dass sie ihn als Baby während einer Silvesternacht mehrere Stunden allein gelassen habe, weil sie alleine mit ihm war und er sonst immer so gut geschlafen habe. Im Nachhinein erzählte ihr ihre Nachbarin, dass er sehr lange geweint und geschrien habe. Dies trug sie 33 Jahre mit sich herum...

Ich sehe durchaus die Möglichkeit in sich hineinzufühlen ob das so für Kinder alles richtig ist, ohne dabei über das Ziel hinaus zu schießen. Ich verstehe, wie anstrengend es als Mutter, vor allem allein, sein kann. Jetzt, da ich selbst eine bin. Aber was ich nicht verstehe, ist, dass man dies dann im Nachgang nicht reflektiert. Wenn ich daran denke, wie ich als hilfloser Säugling im Hof lag und weinte, während sich niemand um mich kümmerte, da werde ich traurig mit mir. Und ich denke, niemand sollte den Kontakt zu seinen Gefühlen so sehr verlieren müssen, dass er dies nicht mehr spüren kann.
So wahre Worte!
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von IdieNubren » 11.09.2019, 15:33

Und ich denke, niemand sollte den Kontakt zu seinen Gefühlen so sehr verlieren müssen, dass er dies nicht mehr spüren kann.
Das ist ein schlauer Satz ... leider fallen mir ein paar Menschen ein wo ich vermute dass das der Fall ist. Schwiegervater zB...
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von officinale » 11.09.2019, 16:39

Spannende Diskussion...dazu fällt mir ein, dass meine Oma mich jedes Mal am Telefon fragt, ob ich noch voll stille und sie ist davon begeistert, dass das so klappt. Und dann fragt sie, ob ich die Kleine "immer noch den ganzen Tag" trage :roll:
Immerhin fragt sie nicht mehr, ob wir sie schreien lassen. Als wir das erste Mal drüber geredet haben, meinte sie auch nur, dass sie das gemacht hat und es "schrecklich" gewesen sei.
Das waren wirklich andere Zeiten.
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Ranas » 11.09.2019, 17:05

Mein erster Gedanke beim Lesen des Artikels: Warum bekommt die Frau 5 Kinder, wenn ihr das Muttersein offensichtlich so wenig bedeutet hat? War Verhütung in den 60er Jahren, besonders in Akademikerkreisen, wirklich so unmöglich? Ich versuche die ganze Zeit, die Sache differenziert zu sehen, aber es klappt nicht. Meinem Gefühl nach hat die Frau Karriere auf dem Rücken ihrer Kinder gemacht. Dass Karriere und Familie für Frauen damals kaum vereinbar waren - klar. Aber muss man dann direkt 5 Kinder bekommen? :oops:
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Re: Kommentare zum Stillen...

Beitrag von Serafin » 11.09.2019, 17:19

Und die Kinder sind ja erst Mal Schlag auf Schlag gekommen. Dann Pause und der Nachzügler. Die mussten also schon wissen, wie man verhüten kann, sonst wäre es ja so weiter gegangen. Da hätte man das ja auch langsamer angehen können.
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