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Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 08:32
von Mera
Mandala345 hat geschrieben:
07.06.2019, 07:16
Aber ich kann mir vorstellen, dass es jüngere Generationen durchaus zu bewusstere Konsumenten machen könnte wenn bereits in der Schule darauf sensibilisiert wird. Sicher ist das kein Allheilmittel, aber es gehört eben auch zum freien Willen sich anders entscheiden zu dürfen.
Da hast du schon recht. Wenn dann aber Konsequenzen später herannahen, will man das nicht wahrhaben und wäre gerne bevormundet worden....und sucht ggf einen Schuldigen. Da ist das mit dem "bewusst" dagegen entscheiden nicht mehr wahr.
Ich hab da auch mehrere junge (17-30 J.) Beispiele in der Familie, da ist das Wissen vorhanden (u.a. auch durch Schule usw.), aber es wird nicht umgesetzt und alle Konsequenzen total ausgeblendet und nicht mit dem Verhalten verknüpft oder das Verhalten kann -wie bei einer Sucht- nicht geändert werden bzw. man versucht es auch gar nicht erst, weil es unmöglich scheint.

In der Theorie ist quasi alles klar...bei anderen. Aber bei einem selber...da ist der plötzlich auftretende Diabetes 2/die nicht mehr passenden Klamotten, der Herzinfarkt usw.usf. entweder ein Mysterium oder halt unvermeidlich. Denn wie soll man das bloss abwenden, ja wie bloss 🤔.

Lösung hab ich keine. Die Ampel mag schlichteren Gemütern vllt mehr helfen, als die vermeintlich komplizierte Nährwerttabelle. Aber im Grunde sind die Infos ja schon da, umsetzen muss es jeder selber. Wenn die max. Zuckermenge/Fett/Salz für die Industrie gedeckelt würde, wäre das sicher eine Möglichkeit Betroffenen (iSv Essen als Sucht) zu helfen und würde keinem schaden...und da sind wir dann wieder beim Ausgangspunkt des Threads.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 08:43
von carolina
Kinsale hat geschrieben:
06.06.2019, 20:14
Ich glaube tatsächlich dass viele Menschen null Ahnung, aber auch keine Lust haben, sich damit zu beschäftigen.

Ich habe erst vor ein paar Tagen gehört, man lege so viel Wert auf gesundes Essen. Die Wurst die das Kind zum Abendessen bekommt, sei nicht irgendeine! Nein- Biolyoner!

Ob Biosalz und -fett und vermatschte Fleischteste in rauen Mengen gesünder sei, hatte sie noch nie überlegt.
Ärztin.

Ich hoffe (?) irgendwie schon, dass eine klar verständliche Ampel auch Leute erreichen kann, die selbst nicht nachdenken können oder wollen. Vielleicht kommt das ja dem einen oder anderen Kind zugute.
Ich finde nun, dass Bio-Lyoner schonmal besser ist als konventionelle. Wenn sie dann noch nach wirklich strengen Bio-Standards produziert würde und ohne Nitritpökelsalz, dann ist das einfach eine Fleisch-Resteverwertung wie sie die Menschheit schon immer betrieben hat, oder? Meine Kinder verweigern leider die nitritfreie Wurst, lieben aber Lyoner und Cervelat. Insofern achte ich darauf, dass die wenigstens aus Bio-Produktion kommt, und hoffe, dass sich ihre Begeisterung dafür verwächst. Der Große hat schon aufgehört.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 08:48
von Nusserl
Ich sehe es ja bei meinem Mann. Er hat studiert, seine Eltern sind beide Ärzte. Trotzdem ist er übergewichtig. Das sind einfach Ernährungsweisen, die in der Kindheit gesetzt worden sind. Für ihn ist Essen einfach Liebe/ Zuneigung. Er wurde gelobt, wenn er "brav" aufgegessen hat. Er hat nie gelernt auf sein natürliches Sättigungsgefühl zu hören. Wenn ich mit ihm drüber rede kommt auch immer "ja ich muss mehr Sport machen". Mein "nein, du musst einfach weniger essen" kommt nicht wirklich an.
Ich habe mit ihm echt schon die Basics durch besprochen. Also was sind wirklich gesunde Lebensmittel und wo ist überall versteckter Zucker drinnen. Warum ist ein fertiges Früchtejoghurt so viel weniger gesund, wie wenn ich frische Erdbeeren in Naturjoghurt schnipple? Und wieso soll er den Kindern keinen Zucker über den Früchtesalat kippen. Und was ist an Fertiggerichten so schlecht.

Seine Eltern sind ständig besorgt, dass die Enkelinnen zu wenig essen. Gerade die Mittlere, die sehr nach meinen Mann kommt, isst abends wenig. Da müssen sie sich echt sehr zurück halten, dass sie sie nicht ständig auffordern noch mehr zu essen.
Seine Mutter sagt mir echt bei jedem Besuch, ich soll drauf achten, dass GG endlich abnimmt. Und serviert im 5 Minuten später einen mega fettogen Frischkäse "extra für dich gekauft, weil du den so gerne hast". Plus fertiges Süssgebäck fürs Frühstück. "Hier noch eine Packung für zuhause, weil du das in der Schweiz nicht bekommst"

Also sowohl er als auch seine Eltern sind ausreichend gebildet. In Italien ist gutes Essen eigentlich total wichtig und selbst das Schulessen ist grundsätzlich gesund. Aber die sind echt beratungsresident. Meine Schwiegereltern sind nur nicht übergewichtig, weil Schwiegermutter so sauschlecht kocht und die Haushälterin nur eine Mahzeit pro Tag zubereitet.
Und mein Mann kommt nicht aus seinen Mustern raus. Er ist nun zwar mehr Gemüse und es gibt weniger Junk Food im Haus. Aber die Menge müsste er selber reduzieren.
Schwierig ist halt bei uns, dass 2 der Kinder und ich extrem schlechte Essensverwerter sind. Also gefühlt essen wir ständig und sind trotzdem dünn. Darum bin ich so dahinter, dass keine K2 zum Essen motiviert. Die braucht einfach weniger als die anderen beiden.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 09:41
von Elena
klecksauge hat geschrieben:
07.06.2019, 07:52
Linda89 hat geschrieben:
07.06.2019, 07:07
Linda89 hat geschrieben:
06.06.2019, 17:58
Dürfen Politiker Werbung machen???
Meine Frage war übrigens Ernst gemeint. Wie ist das, dürfen Politiker Werbung machen? Was, wenn sie nicht offiziell und direkt dafür bezahlt werden?
Wohl nicht. Gestern in den Nachrichten habe ich da was gehört. War aber nicht aufmerksam genug, nur nebenbei geschaut.
Ich habe gestern im Deutschlandfunk ein Interview dazu gehört mit dem Medienanwalt Solmecke, hier ist es:
https://www.deutschlandfunk.de/julia-kl ... _id=450771
Sein Fazit: Ja, das war Werbung, und Politiker müssten eigentlich noch strenger als Influencer behandelt werden in der Hinsicht.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 21:25
von soda
Kinsale hat geschrieben:
06.06.2019, 21:12
Wie meinst du das? Bei der Ampel kann man doch festlegen, dass sie oben vorne sein und mindestens x%der Verpackungsgröße haben muss. Genauso würden natürlich nicht Konzerne festlegen, wie die Produkte eingestuft werden.
Die Farbe der Verpackung ist da doch egal? Oder verstehe ich dich falsch? 😳
Entschuldigung für die Verspätung, ich habe momentan kaum Internet.

Ich meine damit, dass im Fall eines Ampelsystems (selbstverständlich) die Konzerne (mit-)bestimmen wollen, welche Ampelfarbe ein Produkt bekommt. Vom Gegenteil auszugehen („natürlich nicht“, wie du schreibst) das halte ich für sehr optimistisch, um es mal so zu sagen.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 21:26
von soda
Mera hat geschrieben:
06.06.2019, 22:52
soda hat geschrieben:
06.06.2019, 18:45
Oder man kann wie so oft an der Bildung ansetzen und hoffen, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Das würde sicher bei einigen helfen, aber es ist nicht das Allheilmittel.
Darum schrieb ich „hoffen“.
Bei einem Allheilmittel braucht es keine Hoffnung.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 21:32
von soda
Mandala345 hat geschrieben:
07.06.2019, 07:16
Mera hat geschrieben:
06.06.2019, 22:52
soda hat geschrieben:
06.06.2019, 18:45
Oder man kann wie so oft an der Bildung ansetzen und hoffen, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Das würde sicher bei einigen helfen, aber es ist nicht das Allheilmittel. Schau ich mich in meiner Familie um, so seh ich Leute, denen das alles durchaus bewußt ist...denen es aber an der Disziplin mangelt zu verzichten oder selbst zu kochen/backen. Können tun sie es, aber es ist ja so bequem und schmeckt halt so gut, da ist alles andere dann egal/wird ausgeblendet (gesundheitliche, sowie moralische Aspekte). So Leuten hilft weder eine Nährwerttabelle, noch eine Ampel.
Aber ich kann mir vorstellen, dass es jüngere Generationen durchaus zu bewusstere Konsumenten machen könnte wenn bereits in der Schule darauf sensibilisiert wird. Sicher ist das kein Allheilmittel, aber es gehört eben auch zum freien Willen sich anders entscheiden zu dürfen.
Die Sache mit dem freien Willen ist mir wirklich ernst.

Ich stimme dir vollkommen zu.

Ich schrecke auch vor drastischen Ansagen in meiner Sprechstunde nicht zurück. Die Patienten müssen dem nicht folgen. Ich weise auch niemanden zurück, der meine Vorschläge zu einem Thema nicht annimmt. Aber auch nur so kommen die Patienten zurück und ich habe erneut die Möglichkeit, sie zu begleiten.
Mir fällt von meinen zB morbide übergewichtigen Patienten kein einziger ein, bei dem ich Hoffnung hätte, dass eine Ampel einen Unterschied machen würde. Oder Bio Lyoner.
Oder Cola Zero.

Die, die ihr Leben ändern wollen, die tun es. Und die anderen haben keinen ausreichenden Leidensdruck.
Oft schade, aber real.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 21:36
von soda
Mera hat geschrieben:
07.06.2019, 08:32
Mandala345 hat geschrieben:
07.06.2019, 07:16
Aber ich kann mir vorstellen, dass es jüngere Generationen durchaus zu bewusstere Konsumenten machen könnte wenn bereits in der Schule darauf sensibilisiert wird. Sicher ist das kein Allheilmittel, aber es gehört eben auch zum freien Willen sich anders entscheiden zu dürfen.
Da hast du schon recht. Wenn dann aber Konsequenzen später herannahen, will man das nicht wahrhaben und wäre gerne bevormundet worden....und sucht ggf einen Schuldigen. Da ist das mit dem "bewusst" dagegen entscheiden nicht mehr wahr.
Ich hab da auch mehrere junge (17-30 J.) Beispiele in der Familie, da ist das Wissen vorhanden (u.a. auch durch Schule usw.), aber es wird nicht umgesetzt und alle Konsequenzen total ausgeblendet und nicht mit dem Verhalten verknüpft oder das Verhalten kann -wie bei einer Sucht- nicht geändert werden bzw. man versucht es auch gar nicht erst, weil es unmöglich scheint.

In der Theorie ist quasi alles klar...bei anderen. Aber bei einem selber...da ist der plötzlich auftretende Diabetes 2/die nicht mehr passenden Klamotten, der Herzinfarkt usw.usf. entweder ein Mysterium oder halt unvermeidlich. Denn wie soll man das bloss abwenden, ja wie bloss 🤔.

Lösung hab ich keine. Die Ampel mag schlichteren Gemütern vllt mehr helfen, als die vermeintlich komplizierte Nährwerttabelle. Aber im Grunde sind die Infos ja schon da, umsetzen muss es jeder selber. Wenn die max. Zuckermenge/Fett/Salz für die Industrie gedeckelt würde, wäre das sicher eine Möglichkeit Betroffenen (iSv Essen als Sucht) zu helfen und würde keinem schaden...und da sind wir dann wieder beim Ausgangspunkt des Threads.

Keine Ampel und keine Nährwerttabelle und keine Zuckersteuer und keine Beschränkungen durch die Politik ersetzt die Benutzung des eigenen Kopfes.

Wer trotz og Maßnahmen krank, dick oder beides wird und keinen eigenen Anteil daran sehen kann, der findet einen x-beliebigen Schuldigen.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 22:08
von Mandala345
Das große Problem ist, dass je länger wir bestimmte Gewohnheiten praktizieren, desto schwerer fällt es uns sie aufzubrechen. Deshalb denke ich man sollte eben sehr früh schon bei der Aufklärung über gesunde Ernährung ansetzen, um überhaupt die Chance auf eine bewusste Entscheidung zu geben.

Maßnahmen wie die Zuckereduktion in manchen Produkten halte ich für wenig zielführend. Ein Mensch der sich überwiegend von Fast Food und Schokoriegel ernährt wird eher wenig Auswirkung auf seine Gesundheit spüren nur weil ein Teil seiner gekauften Produkte jetzt 5 oder 10 Prozent weniger Zucker enthält, der außerdem meist durch den Zusatz von Zuckeraustauschstoffen kompensiert wird.

Eine Lebensmittelampel könnte zumindest Menschen die sowieso gerne etwas an ihrer Ernährung ändern möchten aber sich einfach nicht mit der komplexen Materie auseinander setzen wollen unterstützen.

Re: Klöckner und Nestlé...

Verfasst: 07.06.2019, 22:21
von thuri
Gerade die zuckkeraustauschstoffe machen die zuckerreduktion doch zur Farce.
Gestern hatte ich hier mal wieder eine Flasche Fanta. Ich achte immer sehr darauf, kein light zu kaufen, weil ich den Geschmack widerlich finde. Je nach Sorte gibt es aber eigentlich nur noch light. Es steht bloß nicht mehr drauf.
Gesunder ist light Limo auch nicht. Beides sollte man nur in Maßen genießen. Aber weil das kaum jemand auf dem Schirm hat, wird der Geschmack weiter mit übersüßem Kram verwirrt, sodass natürliche süße nicht mehr ausreicht..
Meinem Mann will übrigens auch nicht in den Kopf, dass Saft keine gesunde Alternative ist. Jetzt will er auch beim zweiten Kind lieber heute als morgen endlich Saft anbieten, weil immer nur Wasser ist ja langweilig.