Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

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Missy
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon Missy » 20.04.2017, 21:45

jessy80 hat geschrieben:Naja missy, viele Erhöhungen werden aber direkt von der Inflation gefressen.



Habe nichts gegenteiliges behauptet. Meine Antwort bezog sich auf Cecilys Aussage:
Cecily hat geschrieben:Ich habe gerade gesehen, dass die Nettolöhne seit Ewigkeiten nicht mehr angestiegen sind, sämtliche Kosten aber schon. Da kann man schon unzufrieden sein.
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Elena
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon Elena » 20.04.2017, 21:53

swimfan hat geschrieben:Ja einheitliche betreuungskosten wären toll. Das macht so einen unterschied.manche zahlen nur essen oder fast nix. Wir bei 2 Kindern dann 500€.


Ich finde es nicht richtig, dass der Kindergarten überhaupt etwas kostet, während das Hochschulstudium gebührenfrei ist!

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chennai
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon chennai » 20.04.2017, 22:16

Also wenn ich meine Situation hier in Belgien mit der meiner Freundin in Bayern vergleiche, dann ist es schon so, dass Wiedereinstieg in den Job für sie sehr schwer wäre wegen der Betreuungssituation. In der ersten Klasse haben die Kinder dort noch immer regelmäßig bis 11:15 Schule. Hortplätze sind rar. Kindergarten könnte sie sicher auch ganztägig buchen, aber danach wird's eben schwierig. In Belgien heißt Kindergarten Kinderschule, geht mit 2,5 los (freiwillig, aber fast alles nehmen es in Anspruch) und ist kostenlos, wie auch die Schule. Beginn 8:30 bis 15:30, man könnte aber theoretisch auch ab 7:00 (bin ich nicht ganz sicher, evtl. auch 7:30) bis 18:00 nehmen. Diese zusätzliche Betreuungszeit ist flexibel, d.h. es wird erfasst, welche Kinder da sind, am Monatsende bekommt man dafür dann die Rechnung. Das sind morgens 1,00 und nachmittags 1,50 oder so (bestimmt die Schule selbst). Meine Kinder hole ich normalerweise noch in der kostenfreien Zeit bis 16:00 ab, aber mindestens einmal im Monat fordern sie es regelrecht ein, länger bleiben zu dürfen. Die Betreuungszeit ist größtenteils wirklich reine Beaufsichtigung. Hört sich nicht gut an, aber die Kinder kennen das Spielangebot und suchen sich aus, was sie spielen möchten, oder ob sie mit den Fahrzeugen fahren möchten etc. Bei schlechtem Wetter wird schon auch mal ein Film gezeigt, das finde ich aber OK.

In sämtlichen Ferien könnte man die Kinder durchgehend unterbringen: Es gibt verschiedenste Ferienprogramme mit Themen oder einfach Spiel und Spaß oder verschiedene Sportarten usw. Das allerdings kostet dann auch ganz schön. Die meisten hier mischen entsprechend: 2-3 Wochen Ferienprogramm, 1-2 Wochen mit Großeltern oder so, Familienurlaub usw.

Für unsere Kinder passt das System so recht gut, ich muss aber auch zugeben, dass es für sensiblere Kinder mit größerem Ruhebedürfnis sicher nichts wäre. Wie es an den Steiner, Montessori- oder Freinet-Schulen so gehandhabt wird, weiß ich nicht. Aber ich finde es zumindest mal gut, dass jeder diese Möglichkeiten hat, und denke, dass es in Deutschland wirklich höchste Zeit wird, dass sich da mal was ändert.
Lieben Gruß,
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon swimfan » 21.04.2017, 00:32

Klecks es gibt doch aber trotzdem ganz viele Jobs mit starren Zeiten. Vom verkäufer, Feuerwehr, über Ärzte usw. Wenn beide schichten arbeiten isses doof.aber ansonsten kann man sich ja abstimmen. Wir arbeiten zwar beide recht flexibel. Haben aber beide auch tage wo wir lange da sein müssen. Und da kann man genauso sagen dass man eher gehen muss. Da kann man eben mal nicht an dem späten Meeting teilnehmen weil das Kind geholt werden muss. Das sage ich übrigens auch schon 14 uhr solange das Kind sehr klein ist. Ich meine, da können beide sich entsprechend anpassen, auch der mit dem "wichtigeren" job (weil mehr Geld bringend.)
Und ganz vergessen, lass mich raten, deine Rechnung ging von stkl 5 aus ;-)
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon swimfan » 21.04.2017, 00:33

Klang verwirrend.also wenn einer lange bleiben muss, setzt der andere entsprechend durch dass er eher geht.
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon swimfan » 21.04.2017, 00:34

Chennai, ein traum...
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon klecksauge » 21.04.2017, 13:37

Und trotzdem ging es in unserem konkreten Fall 2013 eben nicht.
Und dabei belasse ich es jetzt.
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon Gaby » 22.04.2017, 00:13

Dass in Sachen Kinderbetreuung auf jeden Fall noch mehr getan werden muss, sowohl qualitativ als auch sicherlich so wie hier auf dem Land auch noch quantitativ, da unterschreibe ich bei euch.

Wobei das ja noch nicht die Ausgangsfrage beantwortet, denn in der Theorie betrifft eine ungenügende Kinderbetreuung den Vater genauso wie die Mutter. Aber in der Praxis sind es dann scheinbar bislang die Mütter, die zurückstecken und gar nicht oder Teilzeit arbeiten.

Warum ist das denn so, dass Frauen häufiger geringer bezahlte und "frauenspezifische" Berufe wählen? Das ist ja auch gerade Thema bei meiner Tochter, 9. Klasse Realschule. Auch in der Generation ist es offensichtlich noch so, dass die Mädchen sich einen Praktikumsplatz als Friseurin, Arzthelferin, Erzieherin suchen, während die Jungen in die Kfz-Werkstatt, auf den Bau oder in einen anderen technischen Bereich gehen. Wobei für einige sowieso schon klar ist, dass sie weiter zur Schule gehen und (Fach-)Abi machen wollen.

Oder ist die Tatsache, dass Altersarmut weiblich ist, Frauen weniger verdienen und häufiger in Teilzeit arbeiten, etwas, das sich mit der Zeit sowieso relativieren wird? Wenn ich die Jugendlichen heutzutage sehe, machen mindestens genauso viele Mädchen Abi wie Jungen, die Mädchen sind mindestens genauso leistungsstark und streben in alle Bereiche. Die jungen Kolleginnen (ich arbeite in einem "geschlechtsneutralen" Bereich, die Verteilung ist ca. 50/50) haben häufig die besseren Prüfungsergebnisse und haben ganz andere Erwartungen als wir früher, und ich bezweifle sehr stark, dass sie sich nach der Geburt eines Kindes in die althergebrachte, hier auf dem Land noch sehr häufig vertretene Rolle der Hausfrau, Mutter und maximal Teilzeit arbeitenden Frau zurückziehen.
mit vier Räubern: 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Gaby
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon Gaby » 22.04.2017, 00:38

Und doch noch mal zum Thema Kinderbetreuung:

Ich sehe es auch so, dass man es auch bei schlechten Bedingungen schaffen kann, arbeiten zu gehen, meiner Meinung nach ist es tatsächlich vor allem eine Frage des Wollens.

Mein Mann war schon immer außen vor, was die Kinderbetreuung angeht, da er die Woche über gar nicht da war, und das nicht, weil er so gut verdient, sondern weil er es so will (das ist ein eigenes Thema). Also war ich in der Hinsicht von vornherein auf mich allein gestellt. Über 5 Jahre war ich komplett zu Hause und ging fast zugrunde in meiner Rolle als ausschließlich Mutter 24/7. Meine "Therapie" war dann der Wiedereinstieg in den Beruf, trotz aller Schwierigkeiten und Widrigkeiten. Zu den Kiga-Zeiten meiner Großen war hier die reguläre Abholzeit noch 12 Uhr, Krippe gab es nicht, mittlerweile gibt es eine Krippe und die Abholzeit für die gesamte Einrichtung (also Krippe und Kiga) ist maximal 13:30 Uhr. Ich musste aber an mindestens 2 Tagen ganztags arbeiten und benötigte also eine Betreuung für 4 Kinder bis nachmittags, teilweise Schulkind, teilweise Kleinstkind.

Ich habe alles in Betracht gezogen und abgewogen (wohlgemerkt allein, mein Mann konnte mich nicht unterstützen), Krippe bzw. Kiga in der Stadt, Tagesmutter, Hort in der Stadt, Kinderfrau. Letztendlich bin ich eingestiegen mit der Planung, dass teilweise eine Kinderfrau zu uns nach Hause kommt und die restliche Zeit von der Oma aufgefangen wird. Dieser Plan wurde dann aber hinfällig, als die Oma direkt am Anfang bis auf weiteres ausfiel. Also Neuplanung. Aber eins war mir klar: Nichtarbeiten war keine Alternative mehr, ich wäre ehrlich gesagt zu Hause kaputt gegangen. Ich habe nach der bestmöglichen Lösung für die Kinder gesucht, und somit musste ich für eine ganze Weile die Kinderfrau stark einsetzen, so dass es sich finanziell eigentlich schon längst nicht mehr für mich lohnte, arbeiten zu gehen. Aber trotzdem hat es sich gelohnt, zumal ich wusste, dass es ja nur für eine bestimmte Zeit war. Irgendwann hat sich dann aufgetan, dass ich teilweise Homeoffice machen konnte. Dann kam die Kleinste in die Krippe. Und so ging es Schritt für Schritt weiter, dass sich die Kinderbetreuung veränderte, anpasste und weniger kostete.

So anstrengend es manchmal auch war und immer noch ist, bereue ich es keine Sekunde, zurück in den Beruf gekehrt zu sein, denn für mich war das so wichtig und ich konnte nur eine gute Mutter sein, weil ich auch arbeiten gehe. Und natürlich hatte ich den Blick auf die Kinder, dass es ihnen eben auch damit gut geht.

Ich kann gut verstehen, wenn eine Mutter sich gegen eine Erwerbstätigkeit entscheidet, weil sie dies und jenes sich und den Kindern nicht zumuten möchte. Das müssen die Eltern untereinander und für sich und ihre Familie entscheiden. Aber die Argumentation, dass man ja wohl arbeiten möchte, dass dies aber eben nicht geht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wer möchte, kann und macht dies auch. Im Idealfall in gemeinsamer Verantwortung mit dem Vater, im schlechteren Fall so wie ich eben ohne.

Und auch bei dir, feuerdrache, wäre es prinzipiell möglich, wenn man alle Möglichkeiten in Betracht zöge. Wenn du das nicht willst, okay, aber dann ist es eine bewusste Entscheidung und nicht ein Erdulden der Situation aufgrund schlechter Rahmenbedingungen.

Übrigens kenne ich (wir wohnen ja hier selbst absolut ländlich, haben aber selbst keine Landwirtschaft) jede Menge Landwirte, deren Frauen arbeiten gehen. Da gibt es ein großes Netz untereinander, man hilft sich gegenseitig, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Familie, und gerade die Bauern hier sind diejenigen, die mittags in der Kiga stehen und ihre Kinder abholen, die bei Schulveranstaltungen mitten am Tag dabei sind usw. Als Landwirt hat man neben jeder Menge an Verpflichtungen eben auch den großen Vorteil, dass man normalerweise "zu Hause" bzw. direkt am Wohnhaus arbeitet.
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Elena
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Re: Warum ist Altersarmut weiblich? Jetzt.de

Beitragvon Elena » 22.04.2017, 08:13

Gaby hat geschrieben:

Warum ist das denn so, dass Frauen häufiger geringer bezahlte und "frauenspezifische" Berufe wählen?


Ich glaube, die spezifische Berufswahl ist nur ein Baustein, der zur weiblichen Altersarmut beiträgt. Wie du schon schreibst, machen heutzutage (und in unserer Generation war das auch schon so) Mädchen das bessere Abi und es studieren etwa ebenso viele Frauen wie Männer. Ich sehe noch folgende Ursachen: Frauen heiraten seltener einen deutlich jüngeren Partner und selten einen unter ihrem eigenen Bildungsstand. Diese beiden Dinge tragen dazu bei, dass der Mann mindestens ebenso viel verdient wie die Frau und es natürlich erscheint, dass sie zurücksteckt. Gut verdienende "Karriere"frauen verzichten möglicherweise häufiger auf Kinder als andere oder bekommen weniger Kinder.

Außerdem machen sich Frauen schon zu Schulzeiten häufig Gedanken darüber, wie ein Beruf mit einer Familie zu vereinbaren ist. Gedanken dazu habe ich von einem männlichen Abiturienten noch nie gehört. Und wer die Vereinbarkeit (spricht: Teilzeittauglichkeit :roll: ) von vornherein im Kopf hat, zieht vielleicht manche Optionen nie in Betracht? Das ist ein Punkt, an dem ich bei meinen Töchtern auf jeden Fall ansetzen möchte. Und bei dem ich gerne ansetzen würde, wenn ich Söhne hätte. Denn das ist früh im Kopf, das wird nicht erst wichtig, wenn man die Pille absetzt!

Und dann scheint es so zu sein, dass Männer häufiger eine stärkere Herausforderung und mehr Verdienst im Beruf suchen. Die besten weiblichen Juraabsolventen werden Richterinnen (und ich will nicht sagen, dass das keine Herausforderung ist, in meinen Augen ist das DER Traumjob schlechthin, in vielerlei Hinsicht. Aber es ist auch ein Beruf, in dem man gut versorgt ist und sich beurlauben lassen bzw. Elternzeit machen kann, ohne große Nachteile zu haben). Die besten männlichen gehen zumindest für einige Jahre in eine Großkanzlei, wo sie bis zum Umfallen arbeiten und ordentlich Geld scheffeln. Nach ein paar Jahren können sie sich immer noch nach einem familienfreundlicheren Job umsehen, während Frauen diese Zeit nicht unbedingt haben!


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