Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Bauan
Herzlich Willkommen
Beiträge: 14
Registriert: 08.08.2012, 16:42

Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von Bauan »

Hallo,

bin seit ein paar Tagen stille Mitleserin und bin begeistert von der Gemeinschaft, die sich hier gebildet hat und der kompetenten Unterstützung. Kompliment an die Moderatoren. Ich konnte schon aus einigen Threads Wichtiges für mich ziehen und umsetzen, aber es ist bei allen immer doch wieder anders. Daher möchte auch ich um Euren Rat bitten. Ich werde mich bemühen, nicht zu wirr und der Reihe nach zu berichten.

Mein Sohn Jakob kam am 22.04. zur Welt. Ich habe ihn ca 11,5 Wochen voll gestillt, wobei er in den letzten drei Wochen davon nur spärlich zugenommen hatte. Wenn ich zurück denke, fing es damals damit an, dass er Durchfall hatte und danach immer nur diesen grünen Stuhl, der fürchterlich roch. Man sagte mir, dass dieser grüne Stuhl der sog. Hungerstuhl sei. Wenn die Babies nur die wässrige Vordermilch trinken und nicht an die fette darauf folgende ran kommen. Parallel dazu bereitete die Stillerei keine Freude mehr, da er ständig zappelte, das Köpfchen weg drehte, weinte und schlecht an der Brust zu halten war. Am besten blieb er dran, wenn er einschlief.

Laut Hebamme alles altersgerecht. Erst nach diesen drei Wochen sagte sie, ich müsse zufüttern, damit er nicht weiter abnehme. Ich gab ihm die Milch, unternahm aber sehr viel, um wieder zum Vollstillen zurückzugelangen. Was mir bisher aber nicht gelang.

Soweit zur Vorgeschichte. Es ist jetzt also so, dass ich die angerührte Milch mit Brusternährungsset zufüttere. Aber nur, wenn wir daheim sind. Unterwegs kriegt er das Fläschchen, da es mir mit BES unangenehm ist.

Nachdem ich mit der Handpumpe wenig Erfolg hatte und maximal 30 ml aus den Brüsten zuzeln konnte, pumpe ich nun einigermaßen erfolgreich mit der elektrischen. Rekord waren 120 ml. Mit dem Milchspendereflex habe ich keine Probleme.
Mit der Pumperei wollte ich die Milchproduktion weiter anregen. In der Theorie war der Plan, nach Bedarf zu stillen und zwischendrin zu pumpen, wenn die Abstände etwas größer sind. Nur weiss ich das ja nicht im Voraus. Also wann mein Kind das nächste Mal wieder an die Brust möchte. Die abgepumpte Milch dann ins BES, um ihn beim Stillen quasi bei der Stange zu halten, damit er nicht frustriert aufgibt. Soweit die Theorie. In der Praxis bin ich mir immer unsicher, ob ich pumpen soll oder die Milch fürs Stillen in der Brust „aufheben“. Ich weiß zwar, dass die Milch anscheinend während dem Stillen gebildet werden soll, aber es fühlt sich einfach nicht so an. Wenn die Brüste von der Nacht voll sind, dann krieg ich mein Kind zufrieden damit. Aber nicht am Nachmittag mit 2 Stunden Stillabstand. Macht das Pumpen zwischendrin in meinem Fall überhaupt Sinn? Was würdet ihr mir empfehlen?

Ich nehme seit etwas mehr als einer Woche die Bockshornkleekapseln von Dr. Pandalis. Auf dem Glas steht, man solle 3x3 Kapseln nehmen. Ich habe hier in einigen Beiträgen gelesen, dass die Kapseln erst hoch dosiert Wirkung zeigen. Was heißt den hoch dosiert? Ist 3x3 zu wenig? Ich bin mir unsicher ob sie bereits Wirkung zeigten. Wenn ja, dann minimal. Vielleicht aber auch nur eingebildet.

Ich führe zur Zeit noch kein detaillierte Protokoll, wieviel ich zufüttere. Es sind aber pro Tag nie mehr als 200 ml. Pendelt um die 150. Mal mehr mal weniger. Davon komm ich aber irgendwie nicht weg.

Nachfolgend noch die Gewichtsentwicklung von Jakob.
22.04.2012 3,99 Geburt
die detaillierten Daten in diesem Monat habe ich mir damals nicht mit notiert, wurden von der Hebamme geprüft
21.05.2012 4,9 U3
28.06.2012 5,65 Hebamme
05.07.2012 5,73 Hebamme
12.07.2012 5,7 Hebamme (danach habe ich mit dem Zufüttern begonnen)
18.07.2012 6,15 Hebamme
20.07.2012 6,26 unsere waage
24.07.2012 6,42 unsere waage
25.07.2012 6,51 Krankenhaus (es wurde festgestellt, dass Jakob eine Doppelniere und bereits einen Harnwegsinfekt hatte, danach bekam er Antibiotika)
30.07.2012 6,83 unsere waage
01.08.2012 6,9 unsere waage
02.08.2012 6,85 U4
05.08.2012 7,05 unsere waage
07.08.2012 7,1 Krankenhaus

Grundsätzlich denke ich, dass die Entwicklung von ihm gut ist. Er ist proper und gesund. Aber ich habe auch den Eindruck, dass er, wenn er weitere 500 ml mit der Flasche bekommen würde, diese auch abpumpen würde. Das Fläschchen ist meist ratz fatz weg. Am BES müht sich Jakob ab oder schläft ein.

Meint ihr, es klappt nochmal mit uns und ich kann BES und Fläschchen in den Schrank stellen? Wie kann ich am besten die Kombination aus Stillen, BES, Pumpen in die Praxis umsetzen? Oder soll ich etwas ganz anders machen. Vom Gefühl her zweifel ich auch oft an meinen Brüsten ob die das "können". Wäre auch schön, wenn ihr mir noch eine Dosierungsempfehlung für die Bockshornkleekapseln hättet.
Habe schon einige Berichte hier gelesen, die am Ende erfolgreich abgeschlossen wurden, was mich für die Mädels riesig gefreut hat. Vielleicht kann ich meinen Thread auch mit einem Happy End abschliessen. ;-)

Liebe Grüße, Andrea
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von jusl »

Hallo und herzlich willkommen hier!

Zunächst: Danke fürs Lob :D , und ich drücke die Daumen, dass auch Dein Thread irgendwann "mit Erfolg" abgeschlossen werden kann. ;-) Ich geh mal der Reihe nach:
Mein Sohn Jakob kam am 22.04. zur Welt. Ich habe ihn ca 11,5 Wochen voll gestillt, wobei er in den letzten drei Wochen davon nur spärlich zugenommen hatte.
[...]
22.04.2012 3,99 Geburt
die detaillierten Daten in diesem Monat habe ich mir damals nicht mit notiert, wurden von der Hebamme geprüft
21.05.2012 4,9 U3
28.06.2012 5,65 Hebamme
05.07.2012 5,73 Hebamme
12.07.2012 5,7 Hebamme (danach habe ich mit dem Zufüttern begonnen)
[...]
Unter der sehr plausiblen Annahme, dass Dein Baby einige Tage nach seiner Geburt ca 5 - 7 % Gewichtsverlust hatte, ergibt sich bis zum 12.07. eine durchschnittliche wöchentliche Gewichtszunahme von rund 200 g. Das ist ein durchschnittlicher, vollkommen unauffälliger Wert, der keinerlei Indikation fürs Zufüttern liefert (Quelle).

Gewichtszunahme verläuft in Schüben. Nach den ersten Lebenswochen ist es ganz normal, dass ein Baby mal ein paar Wochen viel zunimmt, dann ein paar Wochen wenig oder gar nicht. Dies kann messtechnisch bedingt sein, oder tatsächlich so sein. Jedenfalls ist das normal und kein Grund zur Sorge. 2 Wochen ohne nennenwerte gemessene Gewichtszunahme jedenfalls ist für ein 2-3 Monate altes Babys kein Zufüttergrund.
Wenn ich zurück denke, fing es damals damit an, dass er Durchfall hatte und danach immer nur diesen grünen Stuhl, der fürchterlich roch. Man sagte mir, dass dieser grüne Stuhl der sog. Hungerstuhl sei. Wenn die Babies nur die wässrige Vordermilch trinken und nicht an die fette darauf folgende ran kommen.
Alle Babys haben gelegentlich grünen Stuhl, auch mehrmals hintereinander. Dies ALLEIN ist kein Hinweis auf ein Problem. In der Tat kann anhaltend(!) grüner Stuhl davon kommen, dass Babys realtiv zuviel Laktose aufnehmen. Dies lässt sich in aller Regel durch nur kleine Veränderungen im Stillmanagement leicht stillberaterisch beheben.
Eine geringe Gewichtszunahme KANN damit einhergehen, muss aber nicht.
Laut Hebamme alles altersgerecht. Erst nach diesen drei Wochen sagte sie, ich müsse zufüttern, damit er nicht weiter abnehme.
?? Dein Baby hat doch aber überhaupt nicht abgenommen.

(oder meinte Deine Hebamme etwa die Daten von Mitte Juli? Einen Gewichtsunterschied von 30 gramm?!? Daraus kann man beim besten Willen keine Abnahme schließen, denn derartig geringe Gewichtsunterschiede kann man durch wöchentliches Wiegen überhaupt nicht feststellen; das ist ja bald die Messungenauigkeit der Waage selbst!.. Eine Stuhlportion allein kann gut und gerne 100 g ausmachen, eine Ladung Urin ebenso. Da der Füllstand von Magen, Blase und Darm üblicherweise nicht bekannt ist, wenn man ein Baby wiegt, kann man SO definitiv nicht messen; da muss man mit anderer Methodik ran. Hier empfehle ich unsere Grundinfo Gedeihen und Gewichtsentwicklung.)

Ich weiß zwar, dass die Milch anscheinend während dem Stillen gebildet werden soll, aber es fühlt sich einfach nicht so an. Wenn die Brüste von der Nacht voll sind, dann krieg ich mein Kind zufrieden damit. Aber nicht am Nachmittag mit 2 Stunden Stillabstand. Macht das Pumpen zwischendrin in meinem Fall überhaupt Sinn? Was würdet ihr mir empfehlen?
Wie oft stillst Du denn in 24 Stunden für gewöhnlich?

Für viele Mütter ist es gewöhnungbedürftig nach den ersten Wochen, wenn die Brüste sich plötzlich deutlich weniger voll anfühlen als kurz nach der Geburt. Viele Mütter machen sich dann Sorgen, wo die Milch hin ist. Die Fehlvorstellung besteht in der Annahme, in vollen Brüsten sei MILCH - das stimmt nicht. In vollen Brüsten ist ETWAS Milch (das Speichervolumen beträgt für gewöhnlich einige Teelöffel bis Esslöffel voll, mehr nicht!), das Völlegefühl (und die Größenzunahme stammt überwiegend von stark erhöhter Durchblutung und Gewebswasser. Die Brust "erwartet" sozusagen die längst überfällige nächste Stillmahlzeit und durchblutet kräftig, um deswegen gleich auf Startschuss loszulegen.
Wenn man immer wartet, bis die Brust "voll" ist, dann ist man auf dem ALLERBESTEN WEGE, ABZUSTILLEN. Denn irgendwann "kapiert" die Brust, dass seltener gestillt werden soll, und fährt die Produktion entsprechend herunter.

Der Idealfall sieht so aus, dass in der Brust während der Stillzeit (vom Stillstart abgesehen) kein Völlegefühl wahrgenommen wird. Denn die Brust produziert den Hauptteil der Milch mit Einsetzen des MSR - und wenn man die Milchproduktion steigern möchte, dann hilft entsprechend nur eins: ÖFTER STILLEN. (oder pumpen)
Ich nehme seit etwas mehr als einer Woche die Bockshornkleekapseln von Dr. Pandalis. Auf dem Glas steht, man solle 3x3 Kapseln nehmen. Ich habe hier in einigen Beiträgen gelesen, dass die Kapseln erst hoch dosiert Wirkung zeigen. Was heißt den hoch dosiert? Ist 3x3 zu wenig? Ich bin mir unsicher ob sie bereits Wirkung zeigten. Wenn ja, dann minimal. Vielleicht aber auch nur eingebildet.
Frauen reagieren unterschiedlich auf milchbildungsfördernde Medikamente. Wenn eine Frau auf Bocks nicht gut anspricht (das merkt man für gewöhnlich innerhalb 2-3 Wochen), dann ist für gewöhnlich ein Wechsel des Wirkstoffs sinnvoll.
Grundsätzlich denke ich, dass die Entwicklung von ihm gut ist. Er ist proper und gesund. Aber ich habe auch den Eindruck, dass er, wenn er weitere 500 ml mit der Flasche bekommen würde, diese auch abpumpen würde. Das Fläschchen ist meist ratz fatz weg. Am BES müht sich Jakob ab oder schläft ein.
Meinst Du mit "Flasche" jetzt den Behälter des BES oder eine herkömmliche Saugflasche? Falls Saugflasche: Möglicherweise zeigt Jakob bereits Umgewöhnungsreaktionen auf den Flaschensauger. Viele Babys reagieren auf die Einführung von Flaschensaugern mit Stillstörungen. Diese können unterschiedlicher Art sein und unterschiedlich stark ausfallen. Stillfreundliches Zufüttern wäre also in jedem Fall ratsam.

Es sind aber pro Tag nie mehr als 200 ml. Pendelt um die 150. Mal mehr mal weniger. Davon komm ich aber irgendwie nicht weg.
[...]
Meint ihr, es klappt nochmal mit uns und ich kann BES und Fläschchen in den Schrank stellen? Wie kann ich am besten die Kombination aus Stillen, BES, Pumpen in die Praxis umsetzen?
Eure Chancen stehen definitiv gut - allein schon wegen der relativ geringen Zufüttermenge. Was genau passiert denn, wenn Du verringern willst?

Mein Vorschlag:
Schreib mal in den nächsten 3-4 Tagen konsequent auf, wie oft Du stillst, wie oft, womit und wann Du zufütterst, und wieviel Du zufütterst. Dann haben wir fundierte Daten und können gemeinsam überlegen, welche Lösungen dafür am besten passen. Die Gewichtsentwicklung kannst Du auch notieren (1x täglich unter ähnlichen Bedingungen, siehe verlinkte Grundinfo zum Gedeihen und zur Gewichtsentwicklung), aber nötig ist dies nicht (erst später, wenn Du reduzierst).

Was meinst Du dazu?

LG
Julia
Bauan
Herzlich Willkommen
Beiträge: 14
Registriert: 08.08.2012, 16:42

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von Bauan »

Hallo Julia,
vielen Dank für die schnelle, ausführliche Antwort und Deine Zeit dafür.

Die Tatsache, dass das Gewicht damals keine direkte Indikation für ein Zufüttern lieferte macht mich schon etwas traurig und Nachdenklich. Ich hätte mir wahrscheinlich einige Tränen, Sorgen und Stress ersparen können, wenn ich eine gute Stillberatung gehabt hätte. Dies hat auch bewirkt, dass ich im Umgang mit der Stillierei und der Sättigung meines Kindes sehr unsicher geworden bin. D.h. ich bin mir selten sicher, warum er nun schreit. Erst im Nachhinein, wenn ich weiss was geholfen hat. ;-)
?? Dein Baby hat doch aber überhaupt nicht abgenommen.

(oder meinte Deine Hebamme etwa die Daten von Mitte Juli? Einen Gewichtsunterschied von 30 gramm?!?
Ja, genau. Plus die nur geringe Zunahme in den zwei Wochen davor.
Wie oft stillst Du denn in 24 Stunden für gewöhnlich?
Tagsüber stille ich alle 2 - 3 Stunden. Die Abstände sind eben auch davon abhängig, ob ich zugefüttert habe. Ich habe mich bemüht, mit der zugefütterten Menge mein Kind nicht abzufüllen, sondern zufrieden zu machen. Damit er bei Hunger wieder kommt und an die Brust geht.
Nachts sieht das anders aus. ist derzeit sehr anstrengend. Jakob schläft ab 23:00 Uhr ca. drei Stunden. Danach kommt er im 1,5 - 2 Stunden Takt. Das ist alles sehr anstrengend und da ich im Liegen stille, kann ich im Nachhinein gar nicht mal immer sagen, wer nun erster von uns beiden eingeschlafen ist. Aber selbst wenn ich wach bin, packt er die zweite Seite nicht, sondern schläft eher ein. Daher hält er auch nicht so lange durch. Aber zu Deiner Frage: Ca. 8 - 10 mal pro 24 h habe ich ihn an der Brust.
Frauen reagieren unterschiedlich auf milchbildungsfördernde Medikamente. Wenn eine Frau auf Bocks nicht gut anspricht (das merkt man für gewöhnlich innerhalb 2-3 Wochen), dann ist für gewöhnlich ein Wechsel des Wirkstoffs sinnvoll.
Würdest Du mir also empfehlen, bei der Menge 3x3 Kapseln zu bleiben und abzuwarten?
Meinst Du mit "Flasche" jetzt den Behälter des BES oder eine herkömmliche Saugflasche? Falls Saugflasche: Möglicherweise zeigt Jakob bereits Umgewöhnungsreaktionen auf den Flaschensauger.
Ich meinte die Saugflasche. Wenn wir unterwegs sind, bekommt er die, da ich ungern Zuschauer beim BES-Stillen habe. Ansonsten daheim nehm ich immer das BES. Ich wollte sagen, dass er beim BES mit weniger zufrieden ist, als bei der Flasche. Das dauert halt auch wesentlich länger. Ist das nun schon eine Saugverwirrung? Wie kann ich dem entgegen wirken? Er kriegt auch den Schnuller.

Gerne werde ich detailliert protokollieren, was ich füttere / stille und ihn wiegen.
Herzlichen Dank. Es tut sehr gut, darüber sprechen / schreiben zu können. Dass einen dieses Thema derart beschäftigen kann, hätte ich nie gedacht.

Liebe Grüße, Andrea
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von jusl »

Hallo Andrea,
Die Tatsache, dass das Gewicht damals keine direkte Indikation für ein Zufüttern lieferte macht mich schon etwas traurig und Nachdenklich. Ich hätte mir wahrscheinlich einige Tränen, Sorgen und Stress ersparen können, wenn ich eine gute Stillberatung gehabt hätte.
Ja, das ist in der Tat sehr schade (zum Trost: Du bist damit nicht allein - unnötiges Zufüttern macht einen Großteil der Stillberatungen aus). Die negativen Folgen (neben dem Arbeitsaufwand, den Kosten und dem erhöhten Risiko unfreiwilligen vorzeitigen Abstillens) hast Du hier sehr treffend beschrieben:
Dies hat auch bewirkt, dass ich im Umgang mit der Stillierei und der Sättigung meines Kindes sehr unsicher geworden bin. D.h. ich bin mir selten sicher, warum er nun schreit.
Es ist nicht einfach, dieses grundlegende Vertrauen und die Intuition bei so einer Geschichte wieder zu finden (oder überhaupt erst zu entwickeln). Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Dich bald wieder sicherer fühlst - ich hoffe, Dein Austausch hier trägt dazu bei.
Ja, genau. Plus die nur geringe Zunahme in den zwei Wochen davor.
Tja, wie gesagt: so funktioniert das methodisch nicht. Zwei Wiegetermine sind NICHT geeignet, die Gewichtsentwicklung zwischen diesen beiden Terminen mit akzeptabler Aussagekraft zu ermitteln, sondern dazu braucht man zwingend MEHR Wiegedaten als nur diese beiden. Beispiele: Um die wöchentliche Gewichtszunahme zu ermitteln, muss man entweder mehrere Wochen hintereinander 1x wöchentlich wiegen oder innerhalb einer Woche öfter wiegen, z.B. täglich. (Dies kommt im Stillberatungskontext sehr oft vor). Um die tägliche Gewichtszunahme zu ermitteln, muss man entweder mehrere Tage hintereinander 1x täglich wiegen, oder innerhalb eines Tages mehrmals (dies kommt eher im klinischen Bereich vor).

Wenn die Waage am Montag 5000 g anzeigt und am Dienstag 4950, dann kann man daraus NICHT schließen, dass das Baby innerhalb eines Tages 50 g abgenommen hat. Vielleicht war der Darm Montag voll und Dienstag leer - wog die Stuhlportion mehr als 50 g, dann hat das Baby "in echt" sogar zugenommen! Das weiß man (in der Regel) nicht, deshalb kann man das so genau nicht messen, egal wie man es dreht und wendet. Beim Verdacht auf Gedeihstörungen jedenfalls sind methodisch GUTE Gewichtskontrollen unbedingt sinnvoll, auch um den Verdacht überhaupt erst zu bestätigen oder zu widerlegen. Und NACH der Bestätigung kann man dann zufüttern, (akute Gefahr wie Exsikkose ausgeschlossen, diese Gefahr bestand bei Euch definitiv nicht). Bei Dir wurde ganz offensichtlich vorschnell zugefüttert, und selbst FALLS eine Zufütterindikation bestand: Als erster Weg sollte immer versucht werden, dies über Veränderungen im Stillmanagement hinzukriegen, nicht über künstliche Säuglingsmilch.
Tagsüber stille ich alle 2 - 3 Stunden. Die Abstände sind eben auch davon abhängig, ob ich zugefüttert habe. Ich habe mich bemüht, mit der zugefütterten Menge mein Kind nicht abzufüllen, sondern zufrieden zu machen. Damit er bei Hunger wieder kommt und an die Brust geht.
Nachts sieht das anders aus. ist derzeit sehr anstrengend. Jakob schläft ab 23:00 Uhr ca. drei Stunden. Danach kommt er im 1,5 - 2 Stunden Takt. Das ist alles sehr anstrengend und da ich im Liegen stille, kann ich im Nachhinein gar nicht mal immer sagen, wer nun erster von uns beiden eingeschlafen ist. Aber selbst wenn ich wach bin, packt er die zweite Seite nicht, sondern schläft eher ein. Daher hält er auch nicht so lange durch. Aber zu Deiner Frage: Ca. 8 - 10 mal pro 24 h habe ich ihn an der Brust.
Das klingt schon mal gut - versuche, die Stillfrequenz auf mindestens 10-12 x in 24 Stunden zu erhöhen. Er muss dabei keineswegs beide Seiten trinken - biete sie an, vielleicht nach einer kurzen Pause, Windelwechseln usw., aber wenn er nicht mehr mag, ist das völlig OK. "Lange durchhalten" soll er gar nicht ;-) - Muttermilch verlässt den Magen innerhalb von 60-90 Minuten. Sehr viele Babys haben einfach gerne immer ein bisschen was im Magen (genau wie viele Erwachsene auch ;-)) und stillen dementsprechend oft.
Nachts darfst Du selbstverständlich sehr gerne währenddessen dabei schlafen, gar kein Problem. ;-)
Würdest Du mir also empfehlen, bei der Menge 3x3 Kapseln zu bleiben und abzuwarten?
Da kann ich (noch) nichts empfehlen, denn stillberaterisch sind wir noch bei der Diagnose (Leitsatz: "Bei Verdacht auf Gedeihstörung: Erstmal gucken, ob es auch wirklich eine ist!"). ;-) Mit erstmal abwarten machst Du sicher nichts verkehrt - bei Bedarf das Präparat wechseln kannst Du jederzeit immernoch.
Ich meinte die Saugflasche. Wenn wir unterwegs sind, bekommt er die, da ich ungern Zuschauer beim BES-Stillen habe. Ansonsten daheim nehm ich immer das BES. Ich wollte sagen, dass er beim BES mit weniger zufrieden ist, als bei der Flasche. Das dauert halt auch wesentlich länger. .
Dass das Unterwegs mit dem BES-Stillen schwierig ist, kann ich sehr gut verstehen. Aber musst Du denn unbedingt MIT BES stillen unterwegs? Du schriebst, Du fütterst maximal nur 200 ml zu. Dann müsste es doch einige Stillmahlzeiten ohne BES geben, oder? Oder verwendest Du es JEDES MAL?
Ist das nun schon eine Saugverwirrung? [...] Er kriegt auch den Schnuller
Tja, also wenn ein Baby nicht gut stillt (z.B. nervig andockt, viel hampelt, ewig lang trinkt, nicht richtig satt zu werden scheint, oft abdockt, dabei weint usw.) UND künstliche Sauger KENNT, dann liegt der Verdacht auf jeden Fall nahe. Brust, Flasche und Schnuller - damit sind viele Babys definitiv überfordert, insb. diejenigen, bei denen bereits Stillprobleme vorliegen oder -lagen.

Wie kann ich dem entgegen wirken?
Ganz klare Antwort: Durch Vermeidung künstlicher Sauger. Bei manchen Babys ist die Veränderung schlagartig, bei manchen dauert es ein bisschen, aber fast immer wird das Stillen spürbar einfach und reibungsfreier, wenn das Baby KEINE künstlichen Sauger mehr bekommt sondern ausschließlich an der Brust saugt. Dein Baby braucht jetzt ein bisschen Deine Hilfe, um wieder richtig gut stillen zu lernen, und jede neue Flasche macht ihm das schwerer.
Heißt konkret: Konsequent keine Flasche mehr. Und möglichst auch keinen Schnuller. Hat Dein Baby den Schnuller schon sehr lieb gewonnen? "Braucht" ihn regelrecht? Dann BEGRENZE den Einsatz des Schnullers zunächst, nimm ihn nur für die nötigsten Situationen. Möglichst selten, möglichst kurz. Falls es nicht sooo dringend ist mit dem Schnullern, dann am besten ganz weg damit für die nächste Zeit.
Gerne werde ich detailliert protokollieren, was ich füttere / stille und ihn wiegen.
Prima. Gute, sorgfältig erhobene Daten machen die Sache erheblich einfacher, denn sie geben SICHERHEIT, dass man nichts übersieht. Du kannst sehr gerne einfach Deine Liste fortführen (bitte das Gewicht in gramm angeben, also "6800" anstatt 6,8 - das verringert Fehlerquellen). Still- und Zufütterhäufigkeit und Gesamtzufüttermenge einfach dahinter. Dann schauen wir die Daten gemeinsam an.
Beispiel:

11.08. 6800 g, 10x Stillen, 2x Zufüttern, 180 ml
Herzlichen Dank. Es tut sehr gut, darüber sprechen / schreiben zu können. Dass einen dieses Thema derart beschäftigen kann, hätte ich nie gedacht.
Dann mal los - alles Gute für die nächste Zeit! :D

Rückfragen jederzeit gerne und
LG
Julia
Bauan
Herzlich Willkommen
Beiträge: 14
Registriert: 08.08.2012, 16:42

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von Bauan »

Einen schönen guten Morgen,

ich hoffe, bei Euch allen scheint die Sonne auch so schön wie bei uns. Und die Temperaturen sind dennoch angenehm. Habt einen guten Start ins Wochenende!

Zur Sättigung von Jakob (damit hängt auch die Frage nach BES oder Flasche zusammen):
Wenn ich ihn daheim mit BES stille. Dann trinkt er deutlich weniger Milch aus dem Set, da ich ihm ja quasi den Hahn abklemmen kann und er parallel immer noch nen Schub aus der Brust bekommt. Wenn ich draussen bin, kann ich ihn ohne BES nicht so leicht an der Brust halten. Er wird zappelig, quengelig und schreit womöglich noch rum. Also dock ich ihn irgendwann ab und er kriegt das Fläschchen. Wenn ich da nur 50 ml drin hätte (was beim BES daheim ausreichen würde), dann ist er nach der Leerung unzufrieden und fordert mehr. Ich füttere auswärts mit dem Fläschchen meist um die 90 ml. Unabhängig davon ob es gepumpte Mumi oder PRE ist. Ich denke nicht, dass er damit pappsatt ist, sondern nur zufrieden. Ist ja in meinem Sinne, wenn er nach etwa 2 Stunden wieder hungrig wird und ich die Brust auspacken kann.

Wenn er während des Stillens einschläft bin ich mir oft unsicher, ob er nun satt und zufrieden einschläft oder nur k.o. ist vom vielen Saugen. Ebenso, wenn er von der Brust abdockt, mich von unten her angrinst und dann wieder an die Brust schnuckelt. Hat er dann tatsächlich noch Hunger oder will er einfach an die Brust, weils da so schön ist und er nuckeln kann?

Soweit zu meiner Unsicherheit bez. des Sättigungsgrades.
Jakob hat auch noch häufig Blähungen, fängt meiner Meinung nach grade das Zahnen an und musste mit einem Infekt kämpfen. Dies alles können Gründe für Weinen sein. Ebenso wenn er müde ist und nicht recht zur Ruhe findet. Ich muss mir das manchmal noch selbst klar machen. Also dass nicht immer Hunger der Grund für das Weinen ist.

Ich werde ihn jetzt die nächsten Tage täglich wiegen und hatte heute morgen schon ein Glücksgefühl. Am 07.08.waren es noch 7100 g, heute 7320 g. Und er hat ganz frisch die Windel voll gemacht. Sowohl gross als auch klein. Also am Verhungern scheint er nicht zu sein.
Das ausführliche Still-Protokoll werde ich dann in vier Tagen schicken, damit man was draus ableiten kann.

Ja, der Schnuller: Ganz weg lassen kann ich ihn nicht. Er ist schon ne sehr große Beruhigungshilfe für ihn.
Ausserdem fängt er grade das Daumenlutschen an. Die ganze Hand oder andere Finger sind ok. Das ist ja auch altersgerecht, dass sie die in den Mund nehmen. Aber der Daumen ist zur Beruhigung aus meiner Sicht. Den tausch ich dann immer gegen Schnuller. Zumindest probier ich es.
Aber ich werde mich bemühen, es auf das nötigste zu reduzieren.
Heißt konkret: Konsequent keine Flasche mehr.
Das wird auch schwierig. Wie oben schon beschrieben, kriegt er die, wenn wir unterwegs sind. ich kann noch eines dazu tun, indem ich mich immer zurückzieh und mit BES füttere, wenn das klappt. Ich werde es probieren.
Es denken jetzt vielleicht einige, dass ich ständig draussen bin. So ist es auch nicht, muss aber dennoch sein. Vor allem jetzt am WE. ich hatte schon Diskussionen mit meinem Mann, dass ich mich daheim zurückziehe und wenig raus geh. Das war auch so in den letzten drei bis vier Wochen. Aber damit ist uns allen nicht geholfen. Ich bin gerne unterwegs, treffe mich mit Freunden oder anderen Mamis oder gehe spazieren. Und ich glaube, eine ausgeglichene Mama ist schon mal die halbe Miete beim Lösen von Stillproblemen. Zumindest ist das meine Erkenntnis der letzten Tage und Wochen. Dies zu vereinbaren mit alle zwei Stunden stillen, pumpen, Milch anrühren ist gar nicht so einfach.

Aber jetzt sind wir fertig mit Stillen und gehen auf den Markt.
Herzliche Grüsse an Euch und geniesst die Sonne!
Andrea
Benutzeravatar
saiidi
alter SuT-Hase
Beiträge: 2698
Registriert: 09.07.2011, 18:45
Wohnort: Obb/OÖ

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von saiidi »

http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 2&t=157270
Grad keine Zeit aber hier zum Schnuller den Link.
Liebe Grüße
Saiidi

Sohn 10/04 Tochter 7/11
KK-Bewertung
Bauan
Herzlich Willkommen
Beiträge: 14
Registriert: 08.08.2012, 16:42

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von Bauan »

Hallo Saiidi,
danke für den Link.
Ich tausche Daumen gegen Schnuller, damit er sich nicht langfristig das Daumenlutschen angewöhnt. Zumindest war das die Idee dahinter.
Ist dann bei meinem Stillthema wohl eher kontraproduktiv.
Was ist nun besser? Daumen oder Schnuller?
Liebe Grüße, Andrea
Benutzeravatar
saiidi
alter SuT-Hase
Beiträge: 2698
Registriert: 09.07.2011, 18:45
Wohnort: Obb/OÖ

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von saiidi »

Bauan hat geschrieben: Ich tausche Daumen gegen Schnuller, damit er sich nicht langfristig das Daumenlutschen angewöhnt.
Ahh, dann hab ich dich falsch verstanden. :oops: Sorry! Ich meinte du gibts den Schnuller statt dem Daumen.
Übrigens hat sich bei uns das Daumenlutschen von ganz allein nach ein paar Wochen wieder aufgehört.
Liebe Grüße
Saiidi

Sohn 10/04 Tochter 7/11
KK-Bewertung
Thalia
hat viel zu erzählen
Beiträge: 206
Registriert: 28.01.2012, 20:58

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von Thalia »

Bauan hat geschrieben:Hallo Saiidi,
danke für den Link.
Ich tausche Daumen gegen Schnuller, damit er sich nicht langfristig das Daumenlutschen angewöhnt. Zumindest war das die Idee dahinter.
Ist dann bei meinem Stillthema wohl eher kontraproduktiv.
Was ist nun besser? Daumen oder Schnuller?
Liebe Grüße, Andrea
Hallo Andrea,

die Zahnärztekammer Nordrhein hat sich zumindest klar für Daumen statt Schnuller ausgesprochen: http://www.zahnaerztekammernordrhein.de ... ltern.html .

LG Thalia
Thalia mit Tochter 10/2011
*gestillt, getragen und familiengebettet*
jusl
Jusl Almighty
Beiträge: 16020
Registriert: 19.03.2007, 10:54
Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators

Re: Fragen zur Kombi Stillen, Pumpen, BES

Beitrag von jusl »

Das Argument der Zahnärztekammer bzgl. Schnuller und Daumen ist gültig, aber für die Praxis zu einseitig. Nicht alle Kinder interessieren sich für stundenlanges Legpspielen. ;-) Das zeigen einfach viel zu viele Gegenbeispiele: Ich habe schon soooo oft Kinder gesehen, die ihren Alltag mit DAUERHAFTEM Daumenlutschen verbringen (eine Hand ist noch frei; das reicht meistens! Und der Daumen wandert dann halt 100 x am Tag raus und rein, wenn die Nuckelhand gebraucht wird). Der Daumen ist IMMER dabei, immer verfügbar; Abgewöhnen ist entsprechend ungleich schwerer.
Im Gegenzug gibt es durchaus Eltern, die den Schnuller INFORMIERT, BEWUSST und wohl DOSIERT einsetzen. Z.B. nur zum Trösten, nur zum Einschlafen, nur bei zuviel Milch, und NIEMALS zum Herumlaufen.

Ein differenziertes Bild incl entsprechender Empfehlungen halte ich hier also für durchaus sinnvoll.

LG
Julia
Antworten

Zurück zu „Stillforum“