ich möchte hier gerne ein paar Worte zum Calma-Sauger von Medela verlieren, da die Nachfragen von Müttern zu diesem Produkt in letzter Zeit massiv zunehmen (an dieser Stelle Glückwunsch an die Medela-Marketingabteilung):
Die harten Fakten: Der einzige wesentliche Unterschied zwischen dem Calma-Sauger und allen anderen Weithalsflaschen-Saugern ist ein Ventil, welches bewirkt, dass nur dann Milch aus dem Sauger kommt, wenn das Baby ein Vakuum erzeugt. Sprich: es tropft nichts von allein, wie dies bei anderen Saugern (und durchaus auch bei manchen Mutterbrüsten...) mehr oder weniger der Fall ist.
Und das war's schon!
Warum also dieses Posting?
Ganz einfach: es gibt praktisch keine gesicherten Hinweise darauf, dass dieser Sauger speziell irgendetwas NÜTZT.
Im Einzelnen:
Saugschwache Babys
Zur Behandlung oder wenigstens Nicht-Verschlimmerung von Saugschwäche bei saugschwachen Babys ist dieser Sauger höchstwahrscheinlich nicht geeignet. Saugschwache Babys schaffen es nicht, ein Vakuum der nötigen Stärke aufzubauen, um erfolgreich am Calma saugen zu können. Oder andersherum: wer das schafft, ist nicht saugschwach und würde vakuum-technisch ganz sicher auch an der Brust trinken können.
Saugverwirrte Babys
Zur Behandlung oder wenigstens Nicht-Verschlimmerung von Saugstörungen bei saugverwirrten Babys ist dieser Sauger höchstwahrscheinlich nicht geeignet. Saugverwirrung besteht aus mehr als nur "an der Brust Vakuum, an der Flasche kein Vakuum". Kräftig saugen (= Vakuum aufbauen) tun auch saugverwirrte Babys, sie tun es nur FALSCH. Das Mundgefühl des Kunststoffs und der unnatürlich harte Reiz am oberen Gaumen, der den Saugreflex auslöst, ist beim Calma-Sauger GENAUSO UNGÜNSTIG wie bei allen anderen Weithalsflaschen-Saugern. Es gibt keine gesicherten Hinweise darauf, dass der Calma-Sauger bei der Behandlung oder Vermeidung von Saugverwirrung hilfreich ist.
Flaschengewohnte Babys, die an die Brust gewöhnt werden sollen
Babys, die bislang ausschließlich oder lange Zeit nur aus der Flasche getrunken haben und (wieder oder erstmalig) an die Brust gewöhnt werden sollen, haben viel zu lernen: sie müssen sich an das individuelle Fließverhalten der Muttermilch (IHRER Mutter) gewöhnen, sie müssen sich an das neue Mundgefühl gewöhnen, sie müssen lernen, mit einem weitaus zarteren Reiz den Saugreflex auszulösen als mit einem harten Kunststoffsauger, sie müssen eine neue Saugtechnik lernen, sie müssen sich eine neue Zungen- und Kieferstellung angewöhnen. Der Calma-Sauger tropft halt nicht, wie der vielleicht gewohnte Sauger. Alles andere aber ist neu. Ich kenne keine gesicherten Hinweise, dass der Calma bei diesem Lernprozess hilft. Ich kenne deutlich mehr Berichte von Müttern, die ihr Baby erfolgreich ohne Calma umgewöhnt haben als mit. Und ich kenne Berichte, in denen es "trotz Calma" nicht klappte. Und ich kenne Berichte, in denen es mit Calma klappte. Vermutlich hätte bei einem gewissen Teil dieser Fälle auch mit einem anderen Sauger geklappt. Und wahrscheinlich gibt es auch Fälle, in denen der Calma tatsächlich irgendwie hilfreich ist. Ich weiß nicht, ob dies ein ganzes Promille aller Fälle ist, oder doch weniger.
Ganz normale Stillbabys
Stillbabys, die hin und wieder per Flasche gefüttert werden sollen, sollten vor allem eines können: richtig gut stillen. Problemlos andocken, super trinken, gut gedeihen, Mama ohne Milchbildungsprobleme. Und all das seit mindestens den letzten 6 Wochen am Stück. Dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Baby auf das Flaschefüttern mit Stillproblemen reagiert. Ein Teil dieser Babys akzeptiert übrigens normale Sauger und verweigert den Calma. So viel zu "ähnlich wie an der Brust".
Mein Fazit: Wer ca 12 Euro für einen einzigen Sauger ausgeben mag, bitte sehr, aber einen handfesten Grund aus stillberaterischer Sicht gibt es dafür nicht.
LG
Julia
