Ich verfolge hier öfter mal Gespräche übers nächtliche Abstillen. Unsere Tochter ist da natürlich noch zu klein, vor allem, da sie bis auf ein paar Mini-mini-Bissen noch ausschließlich gestillt wird. Irgendwann wird sie dann Essen und Trinken, ja und dann? Ab welchem Alter "darf" man ein Kind denn nachts abstillen? Ist das nicht wichtig für die Entwicklung, daß sie die Milch noch kriegen, auch wenn sie schon essen?
Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind
-
L-Mama
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1002
- Registriert: 11.09.2009, 16:09
Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
Hallo!
Ich verfolge hier öfter mal Gespräche übers nächtliche Abstillen. Unsere Tochter ist da natürlich noch zu klein, vor allem, da sie bis auf ein paar Mini-mini-Bissen noch ausschließlich gestillt wird. Irgendwann wird sie dann Essen und Trinken, ja und dann? Ab welchem Alter "darf" man ein Kind denn nachts abstillen? Ist das nicht wichtig für die Entwicklung, daß sie die Milch noch kriegen, auch wenn sie schon essen?
Könnt Ihr mich aufklären? Danke!!
Ich verfolge hier öfter mal Gespräche übers nächtliche Abstillen. Unsere Tochter ist da natürlich noch zu klein, vor allem, da sie bis auf ein paar Mini-mini-Bissen noch ausschließlich gestillt wird. Irgendwann wird sie dann Essen und Trinken, ja und dann? Ab welchem Alter "darf" man ein Kind denn nachts abstillen? Ist das nicht wichtig für die Entwicklung, daß sie die Milch noch kriegen, auch wenn sie schon essen?
-
rocking mammal
- ist gern hier dabei
- Beiträge: 90
- Registriert: 06.08.2009, 17:11
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
ich finde, dafür gibt es kein "darf"!
*mein* persönliches mindestalter wäre 1 jahr - aber ich habe es bisher nie übers herz gebracht, sondern habe fest die zähne zusammengebissen, wenn es mal wieder phasen gab, in denen ich mich, sagen wir mal "grenzwertig" fühlte. für mich ist es in solchen zeiten sehr wichtig, zu wissen, dass es *meine* entscheidung ist, ob ich nachts stille oder nicht.
jemandem eine "altersvorschrift" und damit evt. ein schlechtes gewissen zu machen, finde ich nicht in ordnung. lieber eine mutter, die nachts abstillt und kein nervenbündel ist, als eine, die aus angst, ihrem kind damit etwas furchtbares "anzutun", nachts weiterstillt und emotional total aufgerieben ist.
*mein* persönliches mindestalter wäre 1 jahr - aber ich habe es bisher nie übers herz gebracht, sondern habe fest die zähne zusammengebissen, wenn es mal wieder phasen gab, in denen ich mich, sagen wir mal "grenzwertig" fühlte. für mich ist es in solchen zeiten sehr wichtig, zu wissen, dass es *meine* entscheidung ist, ob ich nachts stille oder nicht.
jemandem eine "altersvorschrift" und damit evt. ein schlechtes gewissen zu machen, finde ich nicht in ordnung. lieber eine mutter, die nachts abstillt und kein nervenbündel ist, als eine, die aus angst, ihrem kind damit etwas furchtbares "anzutun", nachts weiterstillt und emotional total aufgerieben ist.
--- viele Grüße! ---
-
jusl
- Jusl Almighty
- Beiträge: 16020
- Registriert: 19.03.2007, 10:54
- Wohnort: nördlich des Weißwurstäquators
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
Da stellst Du eine sehr gute Frage, Jospittler.
Aus stillberaterischer Sicht würde ich sagen: So lange ein Baby noch so klein ist, dass es während seiner Wachphasen tagsüber überhaupt nur schwerlich auf seine Trinkmenge kommen kann - so ein Babymagen ist schließlich ziemlich klein - ist nächtliches Abstillen ganz klar TABU. "Feed the baby!" - Grundsatz Nr.1.
Mit einigen Monaten sind die meisten Babys physiologisch in der Lage, theoretisch tagsüber genug Muttermilch aufzunehmen, um dauerhaft die Durststrecke in der Nacht zu überstehen ohne dabei eine Gedeihsstörung mit geringer Gewichtszunahme usw. zu entwickeln. ABER: nur das etwas GEHT, ist kein Grund, dies auch zu empfehlen. Die meisten Erwachsenen würden es auch überstehen, nur jeden zweiten oder dritten Tag zu essen, ohne deswegen krank zu werden, ganz bestimmt sogar. Aber von Wohlfühlfaktor kann hier keine Rede mehr sein; ich würde nicht nen Tag hungrig rumlaufen wollen, obwohl es GEHT.
Bei diesen Überlegungen war das Stillen reduziert auf seine Ernährungsfunktion. Aber bekanntermaßen ist Stillen mehr als nur "Milch ans Kind kriegen"; es befriedigt weitere angeborene Bedürfnisse als nur Hunger und Durst. Babys finden Schutz, Trost, Einschlafhilfe, Ablenkung, Entspannung und Nähe beim Stillen, dazu kommt die Unterstützung der vegetativen Funktionen wie Atmung, Wärmehaushalt, Blutdruck, Puls usw., die sich sämtlich beim Stillen nachweislich regulieren. Für viele Babys ist aus diesen Gründen das nächtliche Stillen ganz, ganz wichtig (und wie wichtig ihnen dies ist, machen sie im Zweifelsfall lautstark deutlich!..).
Letztlich ist es wohl auch eine Frage des Naturells: manches Baby nimmt leicht hin. Es ist relativ gleichmütig gegenüber Manipulationen. Zuckt sozusagen die Achseln, meckert kurz, aber OK - Änderung akzeptiert. Für ein anderes Baby wäre dieses Verhalten undenkbar: Manipulationsversuche würden absolute Panik auslösen und zu einer echten Krise im Beziehungsgefüge des Babys führen. Katastrophe.
Von daher: wann man nachts abstillen "darf" (oder sonstige Dinge tun, die den biologischen Erwartungen des Babys erstmal widersprechen) hängt 1. individuell vom Kind ab und 2. vom befürchteten Schaden. Und der dürfte bei unterschiedlichen Babys höchst unterschiedlich ausfallen.
LG;
Julia
Aus stillberaterischer Sicht würde ich sagen: So lange ein Baby noch so klein ist, dass es während seiner Wachphasen tagsüber überhaupt nur schwerlich auf seine Trinkmenge kommen kann - so ein Babymagen ist schließlich ziemlich klein - ist nächtliches Abstillen ganz klar TABU. "Feed the baby!" - Grundsatz Nr.1.
Mit einigen Monaten sind die meisten Babys physiologisch in der Lage, theoretisch tagsüber genug Muttermilch aufzunehmen, um dauerhaft die Durststrecke in der Nacht zu überstehen ohne dabei eine Gedeihsstörung mit geringer Gewichtszunahme usw. zu entwickeln. ABER: nur das etwas GEHT, ist kein Grund, dies auch zu empfehlen. Die meisten Erwachsenen würden es auch überstehen, nur jeden zweiten oder dritten Tag zu essen, ohne deswegen krank zu werden, ganz bestimmt sogar. Aber von Wohlfühlfaktor kann hier keine Rede mehr sein; ich würde nicht nen Tag hungrig rumlaufen wollen, obwohl es GEHT.
Bei diesen Überlegungen war das Stillen reduziert auf seine Ernährungsfunktion. Aber bekanntermaßen ist Stillen mehr als nur "Milch ans Kind kriegen"; es befriedigt weitere angeborene Bedürfnisse als nur Hunger und Durst. Babys finden Schutz, Trost, Einschlafhilfe, Ablenkung, Entspannung und Nähe beim Stillen, dazu kommt die Unterstützung der vegetativen Funktionen wie Atmung, Wärmehaushalt, Blutdruck, Puls usw., die sich sämtlich beim Stillen nachweislich regulieren. Für viele Babys ist aus diesen Gründen das nächtliche Stillen ganz, ganz wichtig (und wie wichtig ihnen dies ist, machen sie im Zweifelsfall lautstark deutlich!..).
Letztlich ist es wohl auch eine Frage des Naturells: manches Baby nimmt leicht hin. Es ist relativ gleichmütig gegenüber Manipulationen. Zuckt sozusagen die Achseln, meckert kurz, aber OK - Änderung akzeptiert. Für ein anderes Baby wäre dieses Verhalten undenkbar: Manipulationsversuche würden absolute Panik auslösen und zu einer echten Krise im Beziehungsgefüge des Babys führen. Katastrophe.
Von daher: wann man nachts abstillen "darf" (oder sonstige Dinge tun, die den biologischen Erwartungen des Babys erstmal widersprechen) hängt 1. individuell vom Kind ab und 2. vom befürchteten Schaden. Und der dürfte bei unterschiedlichen Babys höchst unterschiedlich ausfallen.
LG;
Julia
-
munu
- schreibt ganz schön oft
- Beiträge: 129
- Registriert: 04.06.2009, 00:21
- Wohnort: bern, schweiz
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
jusl, danke für dein tolles posting! nun bin ich wieder gestärkt und stille diese nacht sicher besonders gern. ich habe ab und zu nächte, wo ich denke, dass mein kleiner (und mit einem jahr ist er das wirklich noch) doch bitte auch durchschlafen könnte. aber deine erklärung ist so toll, dass ich mich gut mit unserer situation arrangieren kann.
munu mit frühlingkind (10/09)& winterkind (1/13) & **
-
EhMiPB
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
ja, hier genauso... danke!munu hat geschrieben:jusl, danke für dein tolles posting! nun bin ich wieder gestärkt und stille diese nacht sicher besonders gern. ich habe ab und zu nächte, wo ich denke, dass mein kleiner (und mit einem jahr ist er das wirklich noch) doch bitte auch durchschlafen könnte. aber deine erklärung ist so toll, dass ich mich gut mit unserer situation arrangieren kann.
-
L-Mama
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1002
- Registriert: 11.09.2009, 16:09
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
Muß noch dazu schreiben, daß ich so lange wie möglich, auch Nachts, stillen möchte...! Ist zwar irrelevant, was die Frage betrifft, mir aber wichtig zu sagen!
-
L-Mama
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1002
- Registriert: 11.09.2009, 16:09
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
...und Julia, wunderschön formuliert und gesagt, lieben Dank!
- resca
- ist nicht mehr wegzudenken
- Beiträge: 1066
- Registriert: 10.07.2008, 15:03
- Wohnort: Luxemburg
Re: Ab wann "darf" man denn Nacht abstillen
Für mich war das Gefühl, dass ich nachts nicht mehr möchte und sie es nicht mehr "braucht" mit 15 Monaten erreicht. Ab da habe ich versucht sie an Wasser (nur nachts natürlich) zu gewöhnen, das ging aber nur sehr langsam voran. Kurz bevor sie sich selbst abstillte (mit 22 Monaten) hat sie nachts nicht mehr getrunken.