Beim Test fiel mir jedoch dann auf, dass es gerade das eben nicht ist. Der Onbuhimo unterscheidet sich in sehr wichtigen Details vom MeiTai, Details die nicht nur den Tragekomfort beeinflussen - der zugegebenermassen sehr hoch ist - sondern die auch eine andere Haltung des Babys in der Tragehilfe bewirken. Und genau das hat mich dazu veranlasst, diesen Bericht hier zu schreiben.
Arten von Onbuhimos:
Ring- oder Schlaufen- Onbuhimo:
dieser sieht fast aus wie ein MeiTai, hat aber statt der langen Hüftbänder, die um die Hüfte gebunden werden, nur zwei Ringe oder Schlaufen, in die dann die Träger eingefädelt werden und dann vor der Brust verknotet. Dieser Onbuhimo kommt dem MeiTai noch am ehesten nahe.
Schnallen-Onbuhimo
Diese Tragehilfe hat eine direkte Verbindung vom Träger zum unteren Eck des Rückenpannels, sieht also wirklich fast wie ein Rucksack aus. Vor der Brust werden die Träger dann mit einer Schnalle verschlossen.

Eingezeichnet mit Pink ist der Verlauf der Träger, und so sieht man auch gut, wie sich vom Rückenpannel her ein Beutel ergibt, in dem das Kind dann sitzt.
Vorteile:
Der Onbuhimo ermöglicht bauchfreies Tragen. Also die oder der Tragende hat keinen störenden Hüftgurt um den Bauch, was vor allem für schwangere Frauen äusserst angenehm ist.
Ich fand auch sonst den Tragekomfort sehr hoch, was bestimmt auch daher kommt, dass der Onbuhimo sehr körpernahes Tragen bewirkt. Ausserdem ist es sehr praktisch, die Träger - wie bei den Komforttragehilfen - gleich mit einer Schnalle zusammenhalten zu können.
Nachteile:
Diese betreffen vor allem das Baby, und das scheint mir von grosser Bedeutung. Im Gegensatz zum MeiTai hängt das Gewicht des Babys nicht an einem um die Hüfte der Trageperson gebundenen Gurt und den Trägern, sondern - seht nochmals das Bild an - an der Nackenpartie der Tragehilfe! Ein grosser Teil des Gewichts zieht an den Trägern und presst dadurch die Brust des Babys so stark an den Rücken der Trageperson, dass es in vielen Fällen - achtet mal auf Onbuhimo-Fotos - den Kopf einfach nach hinten wegkippen lässt, weil es anstrengend wäre, den Kopf so überhaupt aufrecht zu halten. Ich habe dazu zwei Fotos:

Hier könnte tatsächlich der Onbuhimo noch etwas anders getragen werden, so dass das Rückenpannel nicht so hoch ist fürs Baby. Aber wenn ich die Nackenregion sehr gut stützen will, dann ist das hier die richtige Höhe. Beachtet, wie der Kopf nach hinten wegfällt. Ausserdem hat mein Kleiner nur geweint da drin, er ist ein Kind, der im Nackenbereich auf zu straff gebundene Tragehilfen sehr stark reagiert.
Beim zweiten Bild nun versucht mein Sohn seinen Kopf an meinen Rücken zu kuscheln, um einschlafen zu können.

Er stösst sich mit den Händen an meinen Armen ab, um sich irgendwie Raum zu schaffen, seinen Kopf einrunden zu können. Der Zug ist durch sein eigenes Gewicht im Nacken aber so stark, dass ihm das kaum gelingt. Ausserdem seht ihr einen sehr geraden Rücken, denn der Zug am Pannel, die Straffung des Stoffes ist so stark, dass eine Einrundung unmöglich ist. Ich könnte mir vorstellen dass das mit Tragetuchstoff etwas besser wäre, aber auch nur begrenzt, weil der Schnitt der Tragehilfe sich nicht dem Baby anpasst, sondern umgekehrt das Baby dazu zwingt, sich der Tragehilfe anzupassen.
Auf diesen Bildern nicht sehr gut sichbar, aber dennoch deutlich ist, dass das Baby überspreizt wird. Das ergibt sich automatisch mit dem zu flachen Rücken, da der Lendenwirbelbereich des Kindes so stark an die tragende Person angepresst wird, dass die Beine dadurch zu stark gespreizt werden - wie das häufig in Tragehilfen der Fall ist, die kein Rundwerden zulassen.
Beim Schlaufen- oder Ringonbuhimo ist die Problematik dieselbe, nur nicht ganz so stark, weil der Zug nicht direkt vom Po des Kindes an die Träger geht sondern immerhin noch ein paar mal unterbrochen wird, von den Ringen oder Schlaufen und dann auch noch vom Festbinden an den Trägern.
Empfehlungen:
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, diese Tragehilfe überhaupt zu empfehlen. Mir ist es unwohl beim Gedanken daran, wie starken Kräften der sensible Nacken des Babys ausgesetzt ist, was übrigens manches Baby schon bestätigt hat, indem es im Onbuhimo sehr unruhig ist, das lese ich auch im Forum ab und zu.
Ich möchte darum, und auch wegen der unmöglichen Einrundung und Überspreizung, den Onbuhimo frühestens ab Sitzalter empfehlen, und zwar ab dann, wenn das Baby sich selber ohne fremde Hilfe hinsetzen kann. Und auch da noch ist es wichtig, auf die Signale des Babys zu achten, es nicht länger in dieser Tragehilfe zu lassen, als es sich wohl fühlt.
Wo ich weniger Bedenken habe, ist bei Arme-Raus-Traglingen, die wirklich schon etwas grösser sind. Da wirkt dann der Zug im Rücken, eine Einrundung ist ebenfalls nicht gut möglich - als Schlaf-Tragehilfe würde ich den Onbuh nie wählen. Aber für den Wachzustand kann er sehr angenehm sein, meine drejährige Tochter jedenfalls mag ihn gerne.


(Jan.06), Sonnenschein
(Juni 08) 
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